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Heteronormativitätstheorie, Kultur, Wissenschaft

Weihnachtsverweigerer sind queer, und keine indischen Buddhisten!

Ein herzliches Lachen hat mir das Durchlesen der Facebook einer Freundin entlockt, die da hieß: „mir reichts!!!!!!!!! ich bin dafür weihnachten abzuschaffen und anstatt zombie tag einzuführen denn das trifft eher zu!“.

Zugegeben: ich bin ein Weihnachts-Fan. Vielleicht liegt es auch nur an profanen Dingen wie Glühwein und Glitzer überall, aber vielleicht wurde ich ja doch vom Weihnachtsgeist, der um diese Zeit überall zu finden ist, angesteckt.

Als ich so darüber nachgedacht habe (solche Sachen fallen mir meisten unter der Dusche ein), ist mir eine Stelle in dem Buch „Queer Denken“, das von Andreas Kraß herausgegeben wurde, eingefallen. Eigentlich ist direkt der Anfang der Einführung, wo er wiederum eine Stelle aus Eve Kosofsky Sedgwick’s Buch „Tendencies“ zitiert.

Sedwick spricht dort über das Weihnachtsfest, das mit dem Begriff „Familie“ auf ein Level geschaltet wird. Daraufhin differenziert sie den Begriff Familie und zeigt somit, dass er Konglomerat aus vielen verschiedenen Aspekten ist. Aber Kraß benutzt diese Bild, um es mit unserer Hetero-Welt zu vergleichen. Er schreibt folgendes:

So aussichtslos es ist, der Tyrannei des Weihnachtsfests zu entrinnen, das sich klebrig wie Zuckerguß an alles Denken, Reden und Tun anhaftet, bis es an Silvester gottlob wieder abplatzt, so unmöglich ist es, dem heterosexuellen Diktat zu entkommen, das jeden Winkel des täglichen Lebens durchdringt.

Ok. Es gibt Leute, die mögen Weihnachten nicht. Manche halten es für kitschig und klebrig. Kann ich nachvollziehen. So geht es mir mit DSDS.

Dann schreibt er weiter:

Wenn ein Besucher aus einem Land jenseits des westlichen Kulturkreises, sagen wir ein indischer Buddhist, in der Vorweihnachtszeit einer Einladung nach Deutschland folgte, so dürften ihn die exotischen Sitten und Gebräuche seiner Gastgeber in großes Erstaunen versetzen. Ähnlich fühlt sich oftmals auf einem fremden Stern, wer in einer heterosexuellen Welt lebt, ohne es selbst zu sein.

Ich lebe im (wannabe) heterosexuellen Deutschland. Fühle ich mich wie ein Alien? Fühlt ihr euch wie Aliens; ihr die ihr nicht Heten seid? Nö. Eigentlich nicht. Es ist nicht so, dass wir indische Buddhisten wären, die nie vorher von diesem Land, Deutschland, gehört hätten (, was ich im Übrigen auch nicht glaube, und ich finde diesen Vergleich schrecklich orientalisierend).

Wenn wir alle Aliens, die sich über die Heteros wundern, wären, würde es bedeuten, dass wir eine Kultur hätten, die von Hetero-Einflüssen unabhängig wäre, was nicht stimmt. Und dort liegt auch das Problem, das tatsächlich sehr viel tiefer geht. Dadurch, dass wir im heterosexuellen Deutschland alle die selbe Sprache sprechen, die selben kulturellen Bräuche kennen und alle finden, dass Pünktlichkeit eine preußische Tugend ist, wird es nur den wenigsten so vorkommen als wäre man auf einem fremden Planeten.

Die traurige, aber wichtige Wahrheit scheint mir eher zu sein, dass wir, so sehr wir auch versuchen eine gay/queer/whatever-Identität zu schaffen, dies immer in Relation zum „heterosexuellen“ Deutschland tun werden und damit gleichzeitig ein Teil davon werden.

Die Weihnachtsverweigerer sind ein wichtiger Teil der Vorweihnachtszeit, denn sie bestätigen die Weihnachtseiferer darin, dass sie auf dem richtigen Weg sind.

Damit: Frohe Weihnachten!

Sedgwick, Eve Kosofsky (1993): Tendencies. USA: Duke University Press Books. S.6
Kraß, Andreas (2003): Queer Studies – eine Einführung. In: Kraß, Andreas (Hg.): Queer Denken – Gegen die Ordnung der Sexualität (Queer Studies). Frankfurt a.M.: Suhrkamp. S.7

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Über Kenji

Schreibe die Diss im Fach Japanologie zu Sexualität im japanischen Mittelalter. Gucke gern America's next top model und esse genre Gummibärchen

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  • @ptrk_k die Wortverwandschaft ist bei allen drei Worten vorhanden. Aber für mich hatte in dem Mom Schwulität eine klar negative Bedeutung... 2 years ago
  • Gestern auf der Arbeit gab's Streit: zwei meiner Kolleg_innen haben das Wort “Schwulitäten“ verwendet. Fand ich nicht cool. Übertrieben? 2 years ago
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