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Soziales

Asien, Japan, Sexualität, Ehe und warum asiatische Männer aggressiv werden

Erst vor kurzem bin ich über einen interessanten Artikel in The Economist gestoßen. Titel ist: Asia’s lonely hearts – The decline of Asian marriage. Der Artikel ist zwar schon etwas älter (20.08.2011), aber trotzdem einen Beitrag meines Erachtens wert!

Worum geht’s? Frauen haben keinen Bock mehr zu heiraten (oder tun es nur sehr spät) und bleiben immer häufiger ein Leben lang Single. Der Gründe lägen vor allem im traditionellen Rollenverständnis, das in einer Ehe vorherrsche. Frauen, auch wenn sie arbeiten gehen, seien nach wie vor für den Haushalt zuständig oder müssten diesen in unverhältnismäßig hohem Maße übernehmen. Männer müssen/können/sollen/dürfen sich nicht darum kümmern, sondern gehen stattdessen arbeiten.

Das Ergebnis ist eine Kette verhängnisvoller Auswirkungen für gesamt Asien (whatever…). Die Argumentation wäre schlüssig, wenn sie nicht so fuck-arse-crazy wäre: Wenn Frauen in einen Heiratsstreik treten, können sie weniger Babys gebären. Das wiederum führt dazu, dass weniger Menschen in Asien geboren werden, was dazu führt, dass sich die Gesellschaft nicht reproduzieren kann, wodurch dem demographischen Wandel Vorschub geleistet wird. Außerdem haben unverheiratete Männer einen höheren Testosteronspiegel, wodurch sie mehr zu gewalttätigem Verhalten neigen. Heirat verhindert also Kriminalität.

Marriage socialises men: it is associated with lower levels of testosterone and less criminal behaviour. Less marriage might mean more crime.

Wenn ihr jetzt lacht, dann kann ich das gut verstehen, denn das war auch meine erste Reaktion. Daher habe ich einmal versucht diesen Knäul aus Quatsch ein wenig auseinanderzuklamüsern.

In Asien wird weniger geheiratet, mehr geschieden, obwohl Asien „traditionell“ ist

Frauen wollen nicht heiraten. Im Westen dagegen heiraten die Leute wohl viel mehr und lassen sich viel weniger scheiden als in Japan Asien. Mag sein, doch der Eindruck entsteht, dass in Asien Heiraten mittlerweile nicht mehr so cool ist wie im Westen, wenn man davon ausgeht, dass mit „Westen“ nichts anderes gemeint ist als die USA!

Vielleicht ist man ja gar in Asien gar nicht so traditionell wie uns die gute Frau von The Economist hier verkaufen will. Vielleicht ist ja die USA das traditionellere Land?

Statistiken normalisieren

Man muss aber bei diesen ganzen Statistiken von bestimmten Voraussetzungen ausgehen, die implizit als selbstverständlich gelten: Die Begriffe „Mann“ und „Frau“ bezeichnen (selbstverständlich) Personen, die von Geburt an ein eindeutiges Geschlecht haben und dieses auch für den Rest ihres Lebens behalten. Sie haben eine heterosexuelle Identität und pflegen allgemein keine homosexuellen Kontakte. Die primäre Reproduktionsstätte der Gesellschaft befindet sich innerhalb der Familie, die durch die Eheschließung von einer Frau mit einem Mann (oder andersrum?) gekennzeichnet ist. Das heißt, es wird ein Zusammenhang zwischen Ehe und Geburten angenommen.

Frauen=Gender

Im Artikel wird recht viel vom Verhalten der asiatischen Frauen gesprochen, doch was ist mit den asiatischen Männern? Die Autorin arbeitet recht suggestiv wenn sie von einem bestimmten (männlichen) Verhalten ausgeht, das wiederum bestimmte Reaktionen der asiatischen Frauen verursacht. Ich nenne nun einige davon:

Asiatische Männer sind allgemein heiratswillig. Sie weigern sich im Haushalt auszuhelfen. Sie haben einen Job. Sie haben eine heterosexuelle Identität. Sie sind von Natur aus aggressiv.

Männer sind aggressiv

Wenn Frauen nun nicht mehr Männer heiraten wollen, macht das die Männer aggressiv und die Gesellschaft wird nicht nur schrumpfen, sondern die Kriminalitätsrate wird auch steigen. Durch eine solche Argumentation werden kriminelle Taten von Männern entschuldigt und die Verantwortung an Frauen weitergereicht. Frauen wird außerdem jegliches Aggressionspotential abgesprochen. Sie sind halt Engel.

Wohl wollte der Artikel einen Fingerzeig auf die gesellschaftliche Ungleichbehandlung setzen, doch leider wurden bestehende Diskriminierungen nur verstärkt. Die Fakten mögen stimmen, wurden aber für einem völlig anderen Kontext uminterpretiert.

Zuletzt werden Vorschläge geliefert, was man besser machen könnte. Darunter:

  • Heiraten muss attraktiver werden (leider entstehen aber viele Kinder weder in der Hochzeitsnacht, noch werden sie vom Storch geliefert)
  • Das Scheidungsrecht sollte gelockert werden, um für Frauen die Ehe nicht wie eine Zwangsjacke aussehen zu lassen (find ich zwar gut, aber es sollte nicht angenommen werden, dass Frauen sich nur von Männern scheiden lassen und nicht andersrum)
  • Frauen sollten bei einer Scheidung mehr aus dem, was während der Ehe erwirtschaftet wurde, herausholen können (was „mehr“ bedeutet, bleibt aber ein Geheimnis)
  • Kinderbetreuung sollte ausgebaut werden (einverstanden)
  • Vaterschaftsurlaub sollte eingeführt werden (auch einverstanden, nur frage ich mich, welcher asiatische Vater das machen würde, da ja alle Väter eine Allergie gegen Erziehung und Haushalt zu haben scheinen – sozialer Druck wird nicht erwähnt)

Was meint ihr? Ist die Ehe die Rettung der schrumpfenden Gesellschaft oder vielleicht ja sogar ihr Tod?

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Über Kenji

Schreibe die Diss im Fach Japanologie zu Sexualität im japanischen Mittelalter. Gucke gern America's next top model und esse genre Gummibärchen

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  • @ptrk_k die Wortverwandschaft ist bei allen drei Worten vorhanden. Aber für mich hatte in dem Mom Schwulität eine klar negative Bedeutung... 2 years ago
  • Gestern auf der Arbeit gab's Streit: zwei meiner Kolleg_innen haben das Wort “Schwulitäten“ verwendet. Fand ich nicht cool. Übertrieben? 2 years ago
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