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Kultur, Medien

Japans Transen

Erst vor kurzem ist über Twitter folgendes Video rumgegangen (man muss dazu sagen, dass es eine überaus aktive japanische Gay-Community auf Twitter gibt, die einen immer mit den neusten Infos auf dem Laufenden hält:

Es gab hierauf einen großen Aufschrei. Vor allem die Queer-Organisationen fanden die herablassende Darstellung von Trans-Menschen und Cross-Dressern unwürdig und herabsetzend. Es würde durch Witze auf deren Kosten für eine Sushi-Kette geworben.

Es geht um ein Pärchen, das sich kuschelnd in einem verlassenen Hinterhof darüber unterhält, wann sie denn jetzt miteinander schlafen wollen. Der Mann drängt die Frau (im Close-up sieht man zuerst ihre Boobies, um wohl den männlichen Hetero-Blick nachzuahmen), die aber sagt „Nein, nein, ich will noch was warten…“. Plötzlich werden sie von einem Hund angebellt und bedroht. Der Mann versteckt sich hinter der Frau, die hysterisch mit ihren Schuhen nach dem Hund wirft. Dann nimmt sie ihren Fake-Busen aus dem Kleid und wirft ihn nach dem Hund. Zuletzt rennt sie zu einer Regentonne, wäscht sich das Gesicht, dreht sich um und, huch, es steht ein Mann in seinen 50ern vor dem Hund, der erschreckt wegrennt. Die Ex-Frau (haha!) dreht sich um und fragt „Bist du verletzt?“. Der geschockte Mann antwortet mit zitternder Unterlippe „Dank dir nicht…“.

Das hat mich an eine andere Szene erinnert, in der ebenfalls Witze auf Kosten von Transen und Cross-Dressern gemacht wurden. Wer von Euch kennt die Manga/Anime-Serie One Piece?

Dort gibt es einen Antagonisten in der Alabasta-Arc, der sich wie eine Ballerina verkleidet. Er hat ein Gesicht, das an einen Pferdekopf erinnert, einen quäkende, schrille Stimme und auffällig behaarte Beine. Trotzdem tänzelt er umher wie eine verrückt gewordene Ballerina, was im wahrsten Sinne des Wortes „queer“ erscheint.

Die queere Ballerina hat aber noch eine Fähigkeit: Sie kann sich in jede Person verwandeln, die sie in ihrem Leben gesehen hat. Mann oder Frau; es ist völlig egal. Als er mit einem aus der One Piece-Gruppe kämpft, verwandelt er sich in eins der männlichen Crewmitglieder, um seinen Gegner zu verwirren. Bringt aber nix, er kriegt trotzdem eins in die Fresse. Begründung: Sein Gegner (Sanji, übrigens) sähe nur ins „Herz“ der Menschen (kokoro 心). Daraufhin verwandelt sich queer Ballerina in eins der weiblichen Crewmitglieder, was aber plötzlich Herzen in den Augen des Gegners erscheinen lässt. Ballerina ist, sobald er sich in eine Frau verwandelt, unantastbar und erhält so einen wichtigen Vorteil.

Warum erzähle ich das alles?

Ich finde das Video oben und die Darstellung der queeren Ballerina gar nicht so schlimm. Natürlich kann ich verstehen, weshalb Leute es ablehnen. Selbstverständlich stempelt es Trans-Menschen als Fakes ab und versucht gleichzeitig sowas wie „echte“ Frauen zu etablieren. Aber das ist nicht das, was ich als erstes sehe. Viel eher finde ich es lustig, weil hier eine unglaubliche Oberflächlichkeit des heterosexuellen Mannes offengelegt wird (über die des schwulen Mannes müssen wir uns auch noch mal unterhalten…).

Wir sind uns hoffentlich einig darüber, dass zum Frausein (whatever das sein soll) mehr gehört, als das Tragen von Make-up oder hohe Schuhe. Nichtdestotrotz brauchen manche Männer scheinbar nicht mehr als diese Illusion. Die Illusion ist es, was eine Frau zu einer Frau macht (in den Augen der oben vorgestellten Typen), alles was tiefer geht, zerstört sie (die Illusion/Frau). Somit macht sich bei mir eine gewisse Zufriedenheit breit wenn der Mann merkt, dass er sich die ganze Zeit über selbst belogen hat.

Das hat nichts damit zu tun, ob die Frau sich als Mann entpuppt oder nicht. Die Frau hätte auch eine Frau bleiben und die Message, wie ich sie verstanden habe, hätte genauso gut rüberkommen können. Der Werbespot zielt darauf ab, etwas scheinbar Richtiges als etwas Falsches zu desmaskieren. Der Punkt ist nur, dass die „richtige“ Fassade die Fassade bleibt und dahinter nichts sein kann als das, was vorher nicht gesehen wurde. Egal, ob Mann oder Frau.

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Über Kenji

Schreibe die Diss im Fach Japanologie zu Sexualität im japanischen Mittelalter. Gucke gern America's next top model und esse genre Gummibärchen

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  • @ptrk_k die Wortverwandschaft ist bei allen drei Worten vorhanden. Aber für mich hatte in dem Mom Schwulität eine klar negative Bedeutung... 2 years ago
  • Gestern auf der Arbeit gab's Streit: zwei meiner Kolleg_innen haben das Wort “Schwulitäten“ verwendet. Fand ich nicht cool. Übertrieben? 2 years ago
  • @schokopflaster Erledigt! Sorry, dass ich mich so lange nicht gemeldet habe. Wie geht es dir? 2 years ago

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