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Geschlechtertheorie, Kultur

Masofrauen: Ein Schmerzensmann braucht eine Masofrau, oder: Heteros sind lustig!

Wochenlang drehen sich die Diskussionen um die Schmerzensmänner. Angefangen hat alles hier. Was sind sie? Woher kommen sie? Wohin gehen sie? Was wollen sie und warum wollen sie, was sie wollen? Und gibt es sie wirklich?!

Ist mir eigentlich egal. Das (sexuell-erotische) Verhältnis zwischen Männern und Frauen juckt mich nicht so wirklich. Umso merkwürdiger finde ich die Aufregung.  Nachdem man einiges dazu gelesen hat, ist man weniger verwundert als amüsiert.

Aber was solls? Machen wir doch mal bei dem kleinen Gedankenspiel mit. Nachdem wir so viel zu Schmerzensmännern gelesen haben, sollte es etwas über die sich beschwerenden Frauen geben. Ich nenne sie jetzt kurzerhand „Masofrauen“.

Die Masofrau

Was ist eine Masofrau? Woher kommt sie? Wohin geht sie? Usw.

Die Masofrau ist unnatürlicherweise heterosexuell. Unnatürlich? In den Worten von Marilyn Manson: …alle Frauen sind von Natur aus lesbisch. … whatever… selbstverständlich hatte sie schon lesbischen Sex. Aber nur, wenn knutschen mit der besten Freundin dazu gehört. „Nein, ehrlich! Es war voll gut! Frauen küssen sooo viel besser als Männer, denn sie haben keinen Bart!“.

Masofrauen haben den EINEN schwulen, besten Freund. Sie kommen nicht unbedingt auf die Idee, dass dieser viele, viele, viele Freundinnen hat, mit denen er shoppen geht, flaschenweise Wein trinkt, kifft und auf Partys geht, denn in Wirklichkeit ist er nur ein Statist, der höchstens in jeder 3. Episode wohlwollende  und tröstende Kommentare abgibt, die die Masofrau in ihrer hetero-Weiblichkeit bestätigen.

Der Masofrau gehts gut… oder nicht?

Die Masofrau hat es eigentlich gut. Sie ist gebildet, sie ist relativ erfolgreich (wenn da nicht die gläserne Decke wäre) und sie ist finanziell und emotional unabhängig. Sie kennt die neusten Trends, sie ist politisch interessiert und ihr ist bewusst, dass sie die Zukunft unseres Landes darstellt.

Aber innerhalb des Lipstick-Jungle und dem City-Sex sehnt sie sich nach etwas Wahrheit, nach etwas Echtheit, nach einem Stück realem Urwald! Wo ist Tarzan? Wo ist Crocodile Dundee? Wo ist Chuck Norris? Alles, was sie sieht, sind Edwards mit Scherenhändern (wahrscheinlich tatsächliche Frisöre!), Legolasse (ja, der süße Elf!) oder Brad Pitts (Post-Angelina).

Ist der Feminismus schuld?

Sie stellt mit Erschaudern fest, dass der Feminismus, der sie so weit gebracht hat, auch etwas anderes bewirkt hat. Etwas Unvorhergesehenes. Etwas, mit dem niemand von vorn herein gerechnet hätte: die Emanzipation von Frauen UND MÄNNERN!!!

Blicken wir 15 Jahre in die Vergangenheit: Zigarettenkonsum (damals kostete die Packung 5 Mark, war aber irgendwie trotzdem teuer), Matheklausuren, Radiohead, Silverchair, Smashing Pumpkins und es deuteten sich langsam auch Jimmy Eat World an. Man ist zusammen auf Partys gegangen, man hat seine Gedanken ausgetauscht, hatte Liebesfrust, Liebeslust, aber vor allem hat man versucht den Anderen zu verstehen!

Vielleicht ist bereits zu diesem Zeitpunkt ja etwas schief gelaufen? Vielleicht hätte man sich nicht so viel aufeinander einlassen sollen? Vielleiht hätte man das weibliche Mysterium beibehalten sollen, damit sich die Jungs noch mehr anstrengen einen zu erobern, anstatt einfach nur zu verstehen lernen?

Die Masofrau ist sich unschlüssig. Vielleicht hätte man die Geschlechter voneinander in der Jugendzeit trennen sollen? Der Feminismus kann aber nicht schlecht gewesen sein, denn schließlich wäre sie jetzt nicht dort, wo sie sich befindet… erfolgreich, klug, selbstständig…

Was die Masofrau will

Das will sie selbstverständlich nicht aufgeben! Sie will erfolgreich sein, aber ihr Mann soll auch erfolgreich sein. Sie würde ihm auch gönnen erfolgreicher zu sein als sie. Sie will natürlich auch ihre Klugheit beibehalten und auch unter Beweis stellen können. Aber ihr Mann sollte auch klug sein. Er sollte sie nicht vor anderen vorführen, aber er sollte sich mit all den Dingen auskennen, bei denen sie nicht so genau Bescheid weiß… Börsen, Eurokrise, Autos reparieren. Sie will ihre Selbstständigkeit behalten. Er soll natürlich auch selbstständig sein. Am besten noch selbstständiger als sie, damit er ihr ab und zu mal die Hand halten kann.

Angst

In Wirklichkeit ist die Masofrau verschreckt.  Die Schmerzensmänner machen ihr Angst. Sie hat sich all die „männlichen“ Eigenschaften angeeignet, die man ihrer Großmutter und Mutter vorenthalten hat. Es ging darum mit den Männern auf einer Ebene zu stehen, um mit ihnen konkurrieren zu können, zu gucken, wer den längsten Atem hat (sorry, beinahe hätte ich Penis gesagt).

Aber jetzt scheint es als hätten die Männer sich „weibliche“ Eigenschaften angeeignet. Was für eine Frechheit! So war das aber nicht verabredet! Was fällt diesen Schmerzensmännern ein? Sie ziehen sich gut an, sie haben auch einen schwulen, besten Freund und sie haben auch schon mit ihm rumgeknutscht (der schwule, beste Freund hat ihn verführt!).

Die Masofrau ist unzufrieden. Sie ist damit unzufrieden, dass alle meinen, sie müsste glücklich sein, weil sie es mit links mit sämtlichen Männern aufnehmen kann. Sie ist damit unzufrieden, dass Männer sie ihrer Weiblichkeit berauben. Sie will, dass sich die Männer so verhalten, wie sie es erwartet: Sie sollen selbstsicher sein (denn sie ist es nicht), sie sollen zuvorkommend und Kavaliere sein (denn sie will es nicht sein), sie sollen die Masofrau auf Händen tragen (aber nur bis sie „Stop“ sagt).

Die Masofrau will nicht bevormundet werden, meint aber gleichzeitig „Etwas Bevormundung kann nicht schaden; schließlich ist ER der Mann!“. Das denkt sie nicht laut, sondern es ist eher nur ein Gefühl, das sie in sich trägt. Viel eher denkt sie, mit den Männern stimme etwas nicht. Das ist der naheliegende Schluss.

Liebe Schmerzensmänner, liebe Masofrauen… wenn es Euch denn gibt:

Liebe Schmerzensmänner. Ihr braucht keine Angst vor einer Identitätskrise zu haben. Man muss erst einmal existieren, um überhaupt eine Identität zu haben und das tut ihr nicht. Es gibt Euch einfach nicht. Ihr seid aus Angst entstanden. Ihr seid ein Produkt schlafloser Nächte, in denen Masofrauen überlegen, was mit ihnen nicht stimmt.

Schmerzensmänner, Ihr seid Twilight, ihr seid Vampire Diaries. Ihr seid eine Fantasie von Frauen, die sich vom Feminismus verraten fühlen und nicht wissen wohin mit der Enttäuschung. Ihr seid der Zorn darüber, dass Masofrauen nichts mehr fühlen. Sie wollen wieder den Schmerz von Barbie schmecken, doch dieser Schmerz ist weg. Die Schmerzensmänner haben ihn gestohlen. Lasst sie büßen!

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Über Kenji

Schreibe die Diss im Fach Japanologie zu Sexualität im japanischen Mittelalter. Gucke gern America's next top model und esse genre Gummibärchen

Diskussionen

6 Gedanken zu “Masofrauen: Ein Schmerzensmann braucht eine Masofrau, oder: Heteros sind lustig!

  1. Also ist doch der Feminismus schuld? Jetzt nur nicht an der Identitätskrise der Männer, sondern an der der Frauen. Gefährliche These, würde ich sagen. Und das sage ich nicht, weil sie die von dir beschriebenen Frauen das nicht so sehen würden und gerade durch die zweite Frauenbewegung das bekommen haben, womit sie nicht umgehen können, sondern weil die Gefahr besteht, genau diesen Frauen am Ende recht zu geben.

    Ich wäre mit dem Begriff „Masofrauen“ vorsichtig, denn er impliziert die sexuelle Einstellung der Frauen, nicht ihre Unfähigkeit und die gesellschaftliche Unmöglichkeit, dauerhaft gleichberechtigt glücklich zu werden. Natürlich ist das auf beiden Seiten der heterosexuellen Schmerzensmatrix ein Jammern auf hohem Niveau: wenn sie sich wie Menschen begegnen würden anstatt wie komplexbeladene Geschlechterstereotype wäre das alles auch halb so schlimm. Unsicherheit und Schmerz gehören zum Spiel der Geschlechtlichkeit, aber auch ein erwachsenes Verhältnis zu den eigenen Bedürfnissen. Da wir die aber nicht haben dürfen – vor allem als Frauen – und auch nicht ausdrücken dürfen und können, wird diese ganze krampfige Debatte daraus.

    Ich wage dann aber doch zu bezweifeln, dass Frauen büßen wollen dafür, dass heterosexuelle Geschlechtlichkeit von beiden Seiten schief zu gehen scheint. Wichtiger wäre mir, die Debatte endlich wieder von den Stereotypen wie Wohlsocken und Kirschtee bei Lagerfeuerromantik zu menschlichen Bedürfnissen zu bringen. Ein bisschen mehr Herz und weniger Klischee würde uns allen ganz gut tun. Und dabei finde ich die Tendenz, dass das eine Geschlecht das jeweils andere zu verstehen vorgibt und dann tief in die Mottenkiste greift, nicht sonderlich förderlich.

    Verfasst von Sem | 7. Februar 2012, 15:07
    • Nein, der Feminismus ist sicherlich nicht schuld an einer Identitätskrise. Weder der Krise von Heteromännern noch Heterofrauen oder sonst irgend jemandem. Die Krise gibt es immer und überall. Daher kann man auch nicht von einem „Ursprung“ sprechen.

      Mit diesem Beitrag habe ich versucht die Diskussion auf die Verursacher zurückzuführen. Die Diskussion um die „Schmerzensmänner“ ist zutiefst sexistisch. Sämtliches, wofür der Feminismus eingetreten ist, wird mit einem Mal in Frage gestellt und von denen, die den Stein des Anstoßes gegeben haben, meiner Meinung nach, verraten. Männer und Frauen werden gleichermaßen mit bestimtmen Charakteristika versehen und über den Kamm geschert.

      Ich bin mit diesem Beitrag nicht wirklich daran interessiert das gegenseitige Verständnis zu fördern. Das mag man mir gerne vorwerfen können, da es sicherlich etwas Wichtiges leisten würde. Doch bevor das kommt, war es mir wichtig, die bestehende Diskussion einmal umzudrehen und zu gucken, was dabei rauskommt. Dabei habe ich selbst Klischees angewendet, und werfe Heterofrauen, die für sich den Schmerzensmann entdeckt haben, vor, sich selbst zu erniedrigen und sich dabei gut zu fühlen.

      Bei Anwendung des Begriffs „Masofrauen“ habe ich nicht wirklich an sexuelle Lust gedacht. Sehr wohl aber spricht der Begriff, meiner Meinung nach, geschlechtliche Schemata an, die eine „traditionelle“ Geschlechterordnung in Mann=Aktiv/Frau=Passiv offenlegen. Und Ja, natürlich ist die Anwendung gefährlich, denn Provokation ist mein Ziel.

      Verfasst von Kenji | 7. Februar 2012, 19:11
  2. Willst du sagen, dass die Frauen, die auf Emanzipation drängen, sich den „Schmerzensmann“ selbst eingebrockt haben und es lächerlich ist, wenn sie nun darüber jammern, dass diese Männer jämmerlich sind?

    Verfasst von Ein Einhorn! | 7. Februar 2012, 20:11
    • Ganz im Gegenteil: Ich glaube, dass der „Schmerzensmann“ ein Methode ist, davon abzulenken, dass die Frauen, die von der Emanzipation profitiert haben, mit dieser nicht immer restlos glücklich sind. Ich glaube, dass der „Schmerzensmann“ in Wirklichkeit ein Rückschritt in der Emanzipation ist, und ein Ausdruck der Unzufriedenheit über die Aufweichung der „traditionellen“ Rollenbilder, sowie deren klare, unmissverständliche Aufteilung.

      Wenn ein Mensch einen anderen für jämmerlich hält, dann wird hier ein hierarchisches Gefälle festgestellt. Die Geringschätzung des anderen ist äußerlich ein Zustand, dessen Aufhebung erstrebenswert ist. Gleichzeitig aber empfindet man eine gewisse Freude in der Bestätigung, jemandem überlegen zu sein.

      Darin liegt die Heuchelei: Ich denke, dass „die Masofrau“ (auf die ich nur gekommen bin, weil alle Welt über diesen Schmerzensmänner-Quatsch referiert) sich den „Schmerzensmann“ von selbst sucht und an ihm anprangert, dass es keine echten Männer mehr gibt. Sie prangert an, dass sie dem „Schmerzensmann“ überlegen ist, genießt es aber insgeheim. Das hat meiner Meinung nichts mit emanzipierten Frauen zu tun.

      Verfasst von Kenji | 7. Februar 2012, 20:46
      • noch etwas: ich bin voll und ganz pro Emanzipation von „traditionellen“ Rollenbildern. Von Frauen und von Männern. Ich glaube, dass es ein positive Entwicklung von Männern ist, wenn sie sich ebenfalls von alten Rollenvorstellungen des „Mannes“ entfernen. Aber das wird erschwert, wenn sie von einigen Frauen als „Schmerzensmänner“ tituliert werden.

        Verfasst von Kenji | 7. Februar 2012, 20:57
      • Das sogenannte Unglück der Frauen mit ihrer eigenen Emanzipation liegt doch daran, dass diese überhaupt nicht vollzogen worden ist. Die Männer, die hier als „Schmerzensmänner“ überzeichnet werden, haben sich – und das sagst du ja auch – von alten Rollenmustern entfernt. Was aber alle Beteiligten nicht gemacht haben, ist, sich neue jenseits klassischer Rollenklischees zu suchen. Und zwar welche jenseits der heteronormativen Matrix, dass Männlein ihre Bedürfnisse nur im schnellen Sex haben können – mit dem Unterschied, dass sie das jetzt nicht mehr jeder Frau ungefragt zu jeder Zeit vor den Latz knallen dürfen. Oder Frauen auch Bedürfnisse haben und sie aussprechen dürfen.

        Dieser Eiertanz, den der Ursprungsartikel in der ZEIT losgetreten hat, rührt daher, dass sich Menschen nachwievor belügen. Über ihre Bedürfnisse sowie über ihre eigene eigene Fähigkeit, Rollenklischees abzulegen. Wenn ich mich nett mit Menschen unterhalte – und das ehrlich und offen -, dann merke ich, ob das heute nach noch etwas wird. Deswegen machen sich Frauen über ‚Weicheier‘ lustig, fühlen sich überlegen, weil sie ihre eigene Unsicherheit auf andere projezieren. Denn sie wollen selbst nicht zu ihren Bedürfnissen stehen. Das stimmt, das hat nichts mit Emanzipation zu tun. Jedoch glaube ich, dass wir Frauen auch nicht lernen, unsere Wünsche und Sehnsüchte zu formulieren. Wir werden auf das andere Geschlecht hin erzogen; und die Bücher von angeblich selbstbestimmter weiblicher Sexualität der letzten Jahre haben nun echt nicht geholfen. Sie haben den diskursiven Druck im Gegenteil noch erhöht, was (heterosexuelles) Begehren zu sein hat.

        Ich weiß, dass die Figur der ‚Masofrau‘ als Provokation gemeint war. Aber das ganze Dilemma jetzt nur den Frauen in die Schuhe zu schieben, erscheint mir wie eine Retourkutsche gegen einen Artikel der ZEIT, der von Anfang an saumäßig und stereotyp war.

        Verfasst von Sem | 1. März 2012, 00:39

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  • Gestern auf der Arbeit gab's Streit: zwei meiner Kolleg_innen haben das Wort “Schwulitäten“ verwendet. Fand ich nicht cool. Übertrieben? 2 years ago
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