//
du liest gerade...
Politik, Soziales

Japan’s Harvey Milk?!

Im letzten Jahr hat ein japanischer Politiker namens Ishikawa Taiga (Name / Vorname) mediales Aufsehen erregt.

Es mag sein, dass es ein wenig untergegangen ist, da der Zeitpunkt, als die Nachrichten zu ihm an die Öffentlichkeit kamen, inmitten der schrecklichen Ereignisse von 3/11 waren. Es handelt sich hierbei um einen jungen Politiker, der in Japan offen schwul lebt und sich für LGBT-Rechte einsetzt.

LGBT-Rechte in Japan?

„Na und?“, werden vielleicht manche denken. In Deutschland ist das nicht gerade ein neues Thema. Viele Politiker_innen hierzulande, insbesondere innerhalb der Linken, engagieren sich für LGBT-Rechte. Nicht so in Japan.

Die rechtliche Grundlage für Schwule, Lesben und Transleute ist kaum vorhanden. Es gibt keine Gesetze, die nicht-heteronormative Sexualität verbietet, aber auch keine, die LGBT-Lebenskonzepte schützen würden. Und hier setzt Ishikawa an.

Ich bin kein Fan von Ishikawa nur weil er sich für LGBTs einsetzt. Ich würde gerne eine andere Politiker_in vorstellen, aber ich kenne keine. Hinweise auf Alternativen zu Ishikawa nehme ich dankend entgegen.

Japans Harvey Milk

Glaubt man den Darstellungen aus der Presse, ist er der erste und einzige Politiker, der sich so offen ausspricht, und der auch für den Tōkyōter Bezirk Toshima tatsächlich gewählt wurde. Er wurde sogar bereits als ein japanischer „Harvey Milk“ gehypt.

Doch tatsächlich hat Ishikawa auf dem Gebiet der Chancengleichheit bereits einen Sieg errungen. Ende März 2011 wurde erreicht, dass im Ausland verheiratete gleichgeschlechtliche Paare in Japan einen Partnerschaftsstatus bekommen können. Dies gilt nicht für zwei japanische Bürger_innen, sonder nur für Japaner_innen, die im Ausland eine Nicht-Japaner_in geheiratet haben.

Homepage -> Seisaku 政策

Eins verwundert nur. Auf der Homepage von Ishikawa ist davon kein Wort erwähnt.

In seinen Statements geht es vor allem um die Unterstützung junger Menschen, Jugendlicher, Alter, Familien und um Umweltthemen. Vielleicht will er nicht potentielle Wähler verschrecken?

Nur an einer Stelle spricht er das Thema „sexualle Minoritäten“ an. Hier schlägt er vor, Berater an Schulen einzustellen, um Jugendlichen zu helfen, die in ihrer sexuellen Identitätsfindung Schwierigkeiten begegnen (Mobbing / Selbstmord / Angst). Doch das geht ziemlich im Umweltidealismus („Lasst uns hässliche Telefonmasten durch Kirschbäume ersetzen!“) unter.

Überleben als Homo

Für Ishikawas Homepage finde ich besonders bezeichnend für die Betonung auf Familie, Kinder und Ausbildung. Warum könnte das so sein?

Eine Erklärung könnte in „Is there a Japanese Gay Identitiy“ McLelland zu finden sein, in der McLelland davon ausgeht, dass gleichgeschlechtliche Beziehungen in Japan einen Verrat an der Fortführung der Familienlinie gleichkommen. Kann man dem nur entgegentreten, indem man sich umso mehr für die Belange von Familien einsetzt? Müssen sich in Japan LGBTs für die Heterofamilie einsetzen, um eine Existenzberechtigung zu erhalten? Müssen LGBTs demonstrieren, dass sie keine Bedrohung für die (heteronormative) Gesellschaft sind? Oder ist Ishikawa einfach nur Philanthrop? Mag sein, aber er ist auch Politiker.

Advertisements

Über Kenji

Schreibe die Diss im Fach Japanologie zu Sexualität im japanischen Mittelalter. Gucke gern America's next top model und esse genre Gummibärchen

Diskussionen

3 Gedanken zu “Japan’s Harvey Milk?!

  1. Vielleicht wirst Du ja Fan von ihr: OTSUJI Kanako.
    http://gay.de/news/774/lesbische-politikerin-kaempft-um-anerkennung/

    Leider zu wenige Politiker_innen im Land der aufgehenden Sonne, die sich für die Rechte der queeren Minderheit einsetzen. Stattdessen darf der Gouverneur von Tokyo (Ishihara Shintaro) ganz öffentlich homophobe Bemerkungen vom Stapel lassen (bitte ein Auge zudrücken und über meine plakative Art hinwegsehen, aber heut ist Wochenende!) Ich wäre dafür, Klaus Wowereit nach Tokyo zu schicken, vielleicht kann er was „queer“biegen.

    Mit den besten Grüßen!
    Ana

    Verfasst von Ana | 18. Februar 2012, 21:33
    • Vielen Dank für den Link! Ich beginne selber erst, mich in das Thema reinzuarbeiten, daher bin ich für weiter Vorschläge immer offen!

      P.S. Ich habe bislang keinen Kommentar hier gelöscht, und ich hoffe, dass das auch so bleiben wird! Egal, ob plakativ oder polemisch; es ist eine bewusste Entscheidung von mir gewesen, hier alles zuzulassen, solang es nicht beleidigend, verletzend oder einfach nur ober-scheiße ist!

      Über Wowereit können wir streiten, aber ich glaub ich weiß, was du meinst 😉

      Verfasst von Kenji | 20. Februar 2012, 18:33
  2. Ich lese die Tweets von Kamikawa Aya sehr gern. Sie schreibt über Bildung und ihre Arbeit als Abgeordnete für Setagaya.

    Ihre Website ist: http://ah-yeah.com/index.html

    Verfasst von Sem | 1. März 2012, 00:45

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Tweets

  • @ptrk_k die Wortverwandschaft ist bei allen drei Worten vorhanden. Aber für mich hatte in dem Mom Schwulität eine klar negative Bedeutung... 2 years ago
  • Gestern auf der Arbeit gab's Streit: zwei meiner Kolleg_innen haben das Wort “Schwulitäten“ verwendet. Fand ich nicht cool. Übertrieben? 2 years ago
  • @schokopflaster Erledigt! Sorry, dass ich mich so lange nicht gemeldet habe. Wie geht es dir? 2 years ago

Blog Stats

  • 13,987 hits
%d Bloggern gefällt das: