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Kultur, Medien

Aids in Kokuhaku/Confessions

Wieder einmal konnte ich mich nicht dazu aufraffen regelmäßig hier zu schreiben, aber als Wiedergutmachung kann ich vielleicht ja anmerken, dass ich gerade im Zug vom Tôkyôter Flughafen zum Hauptbahnhof Tôkyô bin. Von dort aus geht es dann weiter nach Kyôto (ich weiß, ich bin ein Angeber.)

Ich werde von jetzt an erst einmal nur aus Japan schreiben, da ich hier bin, um meine eigene Forschung zu betreiben. Glaubt mir, ich würde nur zu gerne dazu mehr auf diesem Blog schreiben, aber ich muss leider sehr aufpassen, was ich bereits vorab veröffentliche, und was nicht. Ich will ja am Ende nicht wie ein gewisser Ex-Minister dastehen.

Aber kommen wir nun zum eigentlichen Thema. Ich hab auf Facebook rungefragt, welches Thema als nächstes kommen sollte. Eine (!!) Person hat sich dazu geäußert und einen Wunsch abgegeben, daher ist das heutige Thema der Film „Kokuhaku“ (Confessions).

Wer kennt den Film? Er lief auch in Deutschland, hat auch hier (dort) sehr gute Kritiken bekommen. Es geht in erster Linie um Kinder, Eltern und Lehrer, die sich nicht so verhalten, wie eigentlich von der Gesellschaft erwartet. Der Film beginnt mit einer Lehrerin, deren Kind umgekommen ist, und sie beschuldigt zwei ihrer Schüler sie umgebracht zu haben. Vor der Klasse (Achtung, jetzt kommt ein Spoiler!) verkündet sie, dass sie diese Schüler zwar nicht namentlich nennen wird, sie ihnen aber unwissentlich Blut ihres aidskranken Ex-Mannes verabreicht hat.

Harter Tobak. Aber das für mich tatsächlich verwunderliche war die erste Reaktion der Schüler, nachdem die Lehrerin ihnen gestanden hat, dass ihr Mann an Aids leidet. Plötzlich haben die Schüler ängstlich gezuckt, als die Lehrerin ihnen zu nahe kam oder haben gewimmert als sie von ihr angefasst wurden. Da musste die Gute ihren „Schützlingen“ erst mal erklären, dass Aids nicht über Hautkontakt oder die Luft übertragen werden kann.

Was für Quatsch überhaupt! Da muss man sich doch Gedanken darüber machen wie die Aids/HIV-Aufklärung in Schulen in Japan verläuft. Klar, es ist schwierig von einem Film auf die Realität zu schließen, aber wozu die lange Erklärung wie Aids übertragen wird? Es kommt einem vor, als hatte der Regisseur nicht vom Publikum erwartet dieses Wissen zu besitzen.

Die Aids-Raten in Japan sind nicht besonders hoch, aber ich glaube, dass das Thema bezüglich Aufklärung, Krankheitsprävention und Stigma in Japan anders gehandhabt wird als in Deutschland. Ich habe mich selbst noch nicht sehr mit diesem Thema beschäftigt, aber ich denke, dass es genauerer Betrachtung (meinerseits) bedarf. Vielleicht sollte ich auch mal das Buch lesen? (es handelt sich un eine Romanverfilmung)

Hat sich jemand von Euch schonmal eingehender mit dem Thema Aids/HIV in Japan beschäftigt? Ich glaube es gab da etwas in einem Buch von Anja Osiander (ich glaub es hieß „soziale Bewegungen in Japan), ist aber schon etwas älter.

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Über Kenji

Schreibe die Diss im Fach Japanologie zu Sexualität im japanischen Mittelalter. Gucke gern America's next top model und esse genre Gummibärchen

Diskussionen

5 Gedanken zu “Aids in Kokuhaku/Confessions

  1. Habe mich mit dem Thema in Bezug auf Japan noch nie näher beschäftigt, aber leider wissen auch in Deutschland und anderen westlichen Ländern erschreckend wenig Menschen Genaueres über HIV/AIDS – schon gar nicht Schulkinder (jedenfalls nicht im Junior-High-Alter).

    Aber danke für den Filmtipp, und viel Erfolg bei deiner Forschung! 🙂

    Verfasst von »Paula« | 13. April 2012, 09:36
  2. Dann wünsche ich viel Vergnügen und Erfolg in Japan. Das klingt spannend.

    Als ich Kokuhaku las, dachte ich erst an das Buch von Mishima Yukio. Und ich konnte mich nicht an HIV/AIDS darin erinnern, so alt wie der Roman nun schon ist. Die Bildungslücke hast du jetzt geschlossen.
    Für die Behandlung der Erzählung böte sich der Roman von Minato Kanae schon an. Es muss ja Gründe geben, warum sie „Geständnisse“ heißt. Ich nehme an, solche Dinge schlagen sich auch in der Struktur im Buch und im Film nieder. Aber das spricht die Literaturwissenschaftlerin aus mir.

    Danke für den Tipp.

    Verfasst von Sem | 13. April 2012, 11:12
  3. Gut, nachdem mein Kommentar offensichtlich während meiner Anmeldung im Interentnirvana verschwunden ist, versuche ich es noch einmal. 😉

    Viel Vergnügen in Japan. Und viel Erfolg. Genieße den Frühling vor Ort.

    Ich muss gestehen, dass ich, als ich den Titel las, kurz verwirrt war. Ich dachte nämlich sofort, es ginge um „Kokuhaku“ von Mishima Yukio, und da war mir die Problematik gar nicht aufgefallen. Vor allem bei dem Alter des Romans. Dann hast du meine Bildungslücke aber geschlossen. Ich glaube schon, dass es sich lohnt, den Roman von Minato Kanae zu lesen. Immerhin heißt er „Geständnisse“. Der Titel müsste sich in der Struktur des Romans und des Filmes niederschlagen, würde ich sagen. Und das wäre doch spannend: die Frage nach Schuld und Sühne – denn wafür sonst sollten Geständnisse da sein. Ich fand solche Arten des autobiografischen Erzählens auch in der Fiktion – wie bei Mishima oder bei Ishiguro – immer sehr spannend. Deswegen schreibe ich auch meine Diss. über Selbstzeugnisse.

    Viel Vergnügen also. Genieße Japan.

    Verfasst von Sem | 13. April 2012, 11:20
  4. Danke für den Beitrag! Ich glaube, die unwissende Reaktion der Schüler zu zeigen gehört zum alten Schema. Das hat man doch in anderen Filmen aus anderen Ländern auch schon gesehen. Es soll vermutlich nicht die tatsächliche Unwissenheit der Japaner darstellen, sondern das allgemeine, vielleicht weltweite Unbehagen im Kontakt mit dieser Krankheit. Ich kenne den Film nicht, aber er klingt krass. Jetzt bin ich neugierig und will wissen, wie er ausgeht ^^
    Greets, Christin

    Verfasst von ctjapan | 13. April 2012, 11:21
  5. Vielen Dank für die Kommentare! @sem: Heute werde ich auf alle Fälle einmal in den Buchladen gehen und nach deiner Empfehlung nachschauen! 😉

    Verfasst von Kenji | 14. April 2012, 01:51

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