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Kultur, Politik, Theorie

Gaysian Identity

Vor nicht allzu langer Zeit habe ich einen Link der Huffington Post auf Facebook gepostet (auf der QJ-Facebook-Seite oder hier), in dem es um LGBTQ-Asian Icons ging. Es war eine Fotostrecke, in der die bekanntesten asiatischen Gesichter kurz vorgestellt wurden (in erster Linie US-Amerikaner_innen, mit (ost-)asiatischem Migrationshintergrund.

Sollte das ein Versuch sein LGBTQ-Asiat_innen einen Ort der Identifikation zu bieten? Sollte es die ethnische Diversifikation der Gemeinde in den Vordergrund stellen? Vor allem in Zeiten von Glee oder Modern Family, in denen man zwar versucht sexuelle und ethnische Unterschiede zu zeigen, wird das Thema der Identifikation stark in den Vordergrund gedrängt.

Trotz allem muss man leider feststellen, dass einerseits LGBTQ-Charaktere in diesen Shows häufig entsexualisiert werden. Dieser Schritt ist wohl notwendig, um Heteros für sich zu gewinnen, denn die finden uns häufig ekelig. (So stell ich mir die Argumentation der „Macher“ vor).

Zum anderen kann der Fokus oft nur auf einen Aspekt der Identität reduziert werden. Das bedeutet, die schwarze Transfrau in Glee ist in erster Linie eine Transfrau, aber nicht schwarz. Ich habe das Gefühl, dass in diesen Klassifizierungen Sexualität und Geschlechterverordnung die Kategorie Ethnie schlägt. Das würde bedeuten, dass heterosexuelle, asiatische Charaktere in amerikanischen TV-Shows vor allem auf ihr Asiatisch-sein als Ort der Identifikation verwiesen werden. Wären sie darüber hinaus auch noch lesbisch, wäre das Asiatisch-Sein nicht mehr so sehr im Vordergrund. Eine gleichberechtigte Identifikation mit beiden Kategorien ist wohl nur schwer zu bewerkstelligen.

Daraufhin erinnerte ich mich an einen Artikel von Hanawa Yukiko mit dem Titel „Inciting Sites of Political Interventions. Queer ´n Asian“. So scheint es schwierig für viele LGBTQ-Menschen mit asiatischen Wurzeln zu sein, sich gleichzeitig mit Sexualität und Ethnie zu identifizieren, da man zur selben Zeit durch Gleichheit und Differenz gekennzeichnet ist.

Asien als der Ort der Identifikation ist abhängig von der „Verkörperlichung“ durch den Menschen als Träger des Identifikationsmerkmals. Die Körper sind es, die als Träger die Zugehörigkeit durch Rasse, Ethnie und Staatsangehörigkeit bescheinigen (Hanawa 1997: 42). Wenn es um die Frage geht, was asiatisch-amerikanisch sei, würde es häufig eine Trennung zwischen Nationalität und kulturellem Erbe geben (Hanawa 1997: 46).

Wird aber eine Genealogie von asiatischen Schwulen und Lesben (außerhalb des asiatischen Raums) entdeckt, wird die taxonomische Einheit der Ethnie naturalisiert. Sobald man meint, dass man mit den asiatischen Schwulen und Lesben mehr zu tun hat als den amerikanischen (ohne asiatischen Hintergrund), wird „Ethnie“ als natürlich empfunden (Hanawa 1997: 56).

Daher, so folgert Hanawa, muss das Spannungsfeld zwischen rassistischen und sexuellen Systemen klar hinterfragt werden, fall man aus der Unsichtbarkeit der Asian-Americans heraustreten will und eine eigene Identität aufbauen möchte (Hanawa 1997: 57). Aber wie genau eine solche Identität aussehen soll und wie man das genannte Spannungsfeld umgehen kann, beantwortet sie nicht.

Sollte es eine „Gaysian“ Identity geben, so basiert sie auf den Einheiten „LGBTQ“ und „asiatisch“, und ist dadurch automatisch diskriminierend, was ich in diesem Fall nicht als direkt schlecht betrachte, denn diese Diskriminierung funktioniert in zwei Richtungen.

Schwierig wird es nur überhaupt zu erkennen, was als „asiatisch“ gilt und was nicht. Menschen mit ostasiatischem Hintergrund sind aufgrund ihre Phänotyps leichter zu lokalisieren als manche Menschen russischer Herkunft oder auch Menschen, die nur zur Hälft oder gar nur zu einem Viertel asiatisch sind. Des Weiteren ist auch die Frage nach dem eigenen Zugehörigkeitsgefühl von entscheidender Bedeutung. Was ist mit LGBTQ-Menschen, die vom Phänotyp her für andere eindeutig asiatisch erscheinen, selbst aber keinerlei (emotionalen) Bezug zur Region oder zur Kultur aufweisen? Ihnen wird von Anderen schnell klar gemacht, dass sie nicht dazugehören.

Und zuletzt: ist eine Gaysian Identity überhaupt notwendig? Ich denke sie wird dann notwendig, wenn es um politische Repräsentation geht. Hanawa hat von der „Unsichtbarkeit der Asian-Americans“ gesprochen, aber diese Unsichtbarkeit wird erst dann als ein Mittel zur Unterdrückung erkannt, wenn man sich benachteiligt fühlt. Die Gaysian Identity könnte hierbei als ein Mittel verwendet werden, politisch mobil zu machen und (mediale) Repräsentation für sich einzufordern.

Mir fällt nur ein einziger Fall ein, in dem eine solche Repräsentation unternommen wurde. In Ang Lee’s Film „das Hochzeitsbankett“ treffen die Kategorien „asiatisch“ und „schwul“ aufeinander und werden als miteinander unvereinbar dargestellt. Der Film hat ein Happy End, weshalb man meinen könnte, dass die Kategorien unterwandert würden. Doch andererseits kann man argumentieren, dass mit dem Begriff asiatisch auch ein konservatives Traditionsbewusstsein transportiert wird, das im Kontrast zu westlichen, progressiven Individualitätsstreben steht. Aber hier ist die Krux an der Sache: um bestehende Kategorien zu unterwandern, muss man sie zunächst reproduzieren.

Ich kann nur sagen, ich begrüße es, wenn innerhalb der LGBTQ-Gemeinde verschiedene ethnische Identitäten entstehen, aber ich sehe auch eindeutig die Gefahr, dass diese zu Subkulturen innerhalb einer weißen Orthodoxie herabgestuft werden. Es gilt daher die feine Linie zwischen Einforderung einer Identität und Rassismus zu beachten.

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Über Kenji

Schreibe die Diss im Fach Japanologie zu Sexualität im japanischen Mittelalter. Gucke gern America's next top model und esse genre Gummibärchen

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  • @ptrk_k die Wortverwandschaft ist bei allen drei Worten vorhanden. Aber für mich hatte in dem Mom Schwulität eine klar negative Bedeutung... 2 years ago
  • Gestern auf der Arbeit gab's Streit: zwei meiner Kolleg_innen haben das Wort “Schwulitäten“ verwendet. Fand ich nicht cool. Übertrieben? 2 years ago
  • @schokopflaster Erledigt! Sorry, dass ich mich so lange nicht gemeldet habe. Wie geht es dir? 2 years ago

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