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Politik, Soziales

Schlusswort

Ich bin seit April 2012 in Japan und forsche zu meiner Dissertation. Ich kann das machen, da ich ein Stipendium des DAAD erhalten habe. Damit erhält man auch die ein oder andere Verpflichtung, wie beispielsweise die Erstellung eines Zwischenberichts, den ich bereits im September eingereicht habe.

Inhaltlich sollte es sich gar nicht so sehr um die Forschung selbst drehen, sondern eher praktische Tipps, Tricks und Erfahrungen beinhalten, die evtl. von Interesse für nachfolgende Stipendiaten sein könnten. Das habe ich auch gemacht und zuletzt ein Statement verfasst, das sich vor allem auf bestimmte soziale Zustände, sprich: Rassismus und Heterosexismus, fokussiert. Ich lasse Euch hiemit daran teilhaben.

Schlusswort

Ich habe in diesen Bericht bestimmte Bereiche des täglichen Lebens wie die 100 Yen-Läden oder Freizeitgestaltung ausgeklammert, um einerseits redundante Information zu vermeiden (, wodurch ich nicht behaupten möchte, dass der ein- oder andere Punkt nicht auch in anderen Berichten vorkommt), und andererseits, um statt dessen einen Fokus auf die aktuellen wirtschaftlichen und sozialen Fragen zu legen.

Die Gewichtung der Themen hat selbstverständlich auch etwas mit persönlichem Interesse zu tun, doch ich hoffe trotzdem, dass ein eventueller Mehrwert für andere Stipendiat_innen geschaffen werden kann.

Zuletzt möchte ich auf kurz auf die Themen Rassismus und die Benachteiligung sexueller Minderheiten in Japan eingehen. Die deutsche Diskussion dieser Themen ist derzeit zum einen durch die 10fache Jährung der Ereignisse von Rostock-Lichtenhagen und zum anderen durch den Vorstoß des Bundesjustizministeriums zur Angleichung der eingetragenen Lebenspartnerschaft zur heterosexuellen Ehe ausgelöst worden. Eine gesellschaftliche Diskussion, die der deutschen gleichkommt, sehe ich hierzulande nicht.

Als Ausländer oder „nicht-japanisch“-aussehender Mensch ist man in Japan immerwährendem Mikro-Rassismus oder Vorurteilen ausgesetzt. Einer Person, die aus einer westlichen Industrienation stammt und weiß (Englisch: caucasian) ist, scheint dies nicht offensichtlich zu sein. Doch durch alltägliche Bemerkungen, die von Komplimenten, wie gut man mich Essstäbchen umzugehen weiß, bis zum Erstaunen über die „hervorragenden“ Japanischkenntnisse, wird man als Ausländer stets daran erinnert, nicht Teil der japanischen Gesellschaft und nur ein „Besucher“ zu sein. Eine innerjapanische Kritik und gesellschaftsübergreifende Auseinandersetzung fehlt mir bislang.

Eine für mich sehr viel weiterreichende Diskriminierung findet sich auf dem Gebiet der Anerkennung homosexueller Menschen. Die öffentliche Wahrnehmung ist vor allem durch Stereotypen geprägt, die in Medien propagiert und wiederholt werden. Diese schließen vor allem eine Invertierung von Geschlechterrollen ein und die Annahme einer Hierarchie innerhalb von Beziehungen homosexueller Paare bezüglich sozialem Status, Alter und einer Dichotomie in „Aktiv“ und „Passiv“. Die sexuelle Identität auch als eine politische Identität zu betrachten und dementsprechend auszuleben, ist in Japan keine Selbstverständlichkeit und meines Erachtens für viele Menschen keine Option ein glückliches Leben zu führen.

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Über Kenji

Schreibe die Diss im Fach Japanologie zu Sexualität im japanischen Mittelalter. Gucke gern America's next top model und esse genre Gummibärchen

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  • @ptrk_k die Wortverwandschaft ist bei allen drei Worten vorhanden. Aber für mich hatte in dem Mom Schwulität eine klar negative Bedeutung... 2 years ago
  • Gestern auf der Arbeit gab's Streit: zwei meiner Kolleg_innen haben das Wort “Schwulitäten“ verwendet. Fand ich nicht cool. Übertrieben? 2 years ago
  • @schokopflaster Erledigt! Sorry, dass ich mich so lange nicht gemeldet habe. Wie geht es dir? 2 years ago

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