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Medien, Politik, Soziales

Kölner CSD-StVO: Rechts vor Links!

[Achtung! Pessimistischer Beitrag]

Es ging um die Frage, ob die rechtsradikale Pro-Köln-Bewegung beim Kölner CSD mitlaufen darf oder nicht. Sie wurde provoziert, da sich Pro Köln angemeldet hatte, mitzulaufen. Das war Mitte Mai. Die Diskussion ist nun zu einem Ende gekommen, denn Pro Köln hat seine Beteiligung zurückgezogen. Zur Erinnerung: Es ist Mitte Juni.

Die Diskussion, die nach der Anmeldung erfolgte, war mehr als erschreckend. Überwiegend waren die Stimmen zu hören, die sagten, dass sie nichts hier zu suchen hätten. Doch andere wiederum (vielleicht auch dieselben?) sahen eine gewisse Logik in Pro Kölns Argumenten.

„Wir wollen darauf hinweisen, woher in Köln die Bedrohung für Schwule und Lesben hauptsächlich herkommt. Diese Bedrohungsszenarien kommen heutzutage hauptsächlich von Jugendlichen mit Migrationshintergrund, zumeist muslimischem Migrationshintergrund.“ (http://www.queer.de/detail.php?article_id=19333, vom 31.05.2013)

cologne pride glückwunsch

Beglückwünschen kann man den diesjährigen KLuST leider nicht…

Stimmt, dachte sich mit Sicherheit der ein- oder andere. Warum Pro Köln eigentlich ausschließen? Mit der Rhetorik konnte die Bewegung recht effektiv ihre verfassungs- und menschenfeindliche Gesinnung verschleiern. Es schien mit einem Mal, dass Pro Köln eigentlich recht griffige Einsichten hat. Man war zwar kein Mensch, der Hitler-Merchandise sammelt oder was gegen Schwarze und Juden hatte, aber wenn man nachts einer Gruppe türkischer-aussehender, männlicher Jugendliche über den Weg läuft, benimmt man sich besser unauffällig und sucht nach Fluchtmöglichkeiten. Niemand hat gerne Angst. Und was haben sie alle gemeinsam? Natürlich! Sie sind aus muslimisch-geprägten Haushalten.

Es hat zwei bis drei Wochen gedauert, bis sich der KLuST (Kölner Lesben- und Schwulentag e.V.) zur Entscheidung durchrang, Pro Köln vom CSD auszuschließen – auch wenn die Möglichkeit bestand, dass Pro Köln dagegen rechtlich vorgehen könnte. Zu diesem Rechtsstreit kommt es nicht. Heute wurde bekannt gegeben, dass Pro Köln auf seine Teilnahme verzichtet.

Die Entscheidung des KLuST wurde in einem Beitrag von queer.de mit folgenden Worten begrüßt:

„Ich möchte mich bei Ihnen bedanken. Mit Ihrer CSD-Anmeldung haben Sie es geschafft, die Kölner Community – trotz anfänglicher Verwirrung – am Ende zu einen und sich selbst dabei komplett bloßzustellen.“ (http://www.queer.de/detail.php?article_id=19367, vom 05.06.2013)

In den zwei bis drei Wochen, in welcher die Entscheidung des KLuST nicht getroffen wurde, war für mich einiges enthalten. Darunter fallen Unsicherheit, Ungläubigkeit, Scham und Wut.

Ich kann verstehen, dass der KLuST über seine Möglichkeiten zu handeln reflektieren und keine voreilige Entscheidung treffen wollte. Doch was fehlte, war die klare Aussage, gegen Rassismus, Nationalismus und die Pro-Bewegungen zu sein.

Für mich als jemand mit Migrationshintergrund (wenn auch nicht arabisch) war es eine erniedrigende Erfahrung, zu sehen wie eine zentraleuropäische Nabelschau stattfand, die ihren eigenen Rassismus und ihre Islamophobie nur zu gerne instrumentalisieren ließ. Zu keinem Zeitpunkt fand eine Solidarisierung mit den zahlreichen schwul-lesbisch-trans-bi-Menschen mit Migrationshintergrund statt, denn nach wie vor ist das Ideal in Köln scheinbar weiß. Zu keinem Zeitpunkt wurde über das Verhältnis Religion & Homosexualität im Allgemeinen nachgedacht. Auf die Idee, dass der Islam ein Teil von homosexuellem Leben sein kann, kam traurigerweise niemand. Das Bild des schlagwütigen, türkischen 17-jährigen mit Salafismus-Tendenz kam all denen gelegen, die sich in der Opferrolle wohl fühlen.

Mein Mitgefühl gilt all denjenigen, die jegliche körperliche Gewalt und Erniedrigung erleiden mussten. Doch es ist nicht der Islam, der zuschlägt, genauso wenig wie es das Christentum ist, das Homosexualität als eine Krankheit bezeichnet. Es sind die Menschen, die Religion als Legitimation für ihr Handeln verwenden.

Wenn ich nachts Gruppen von männlichen Jugendlichen begegne, versuche ich mich auch unauffällig zu verhalten und bin froh, wenn ich 200 Meter weg von ihnen bin. Daran ist aber keine Religion schuld, noch ist es eine Ethnie, die gewalttätiger ist als eine andere.

Wenn etwas bloßgestellt wurde, wie es in dem oben zitierten Artikel heißt, dann ist es die schwul-lesbische Gemeinde Kölns – zwei bis drei Wochen lang konnte man in ihre zweifelnde Fratze sehen, nur damit sie sich nach Bekanntgabe des KLuST, Pro Köln zuzuschließen, als Helden feiern konnten. Pro Köln wurde eine heuchlerische Absage erteilt. Die Argumentation, dass der Islam eine für homosexuelle Menschen gefährliche Religion sei, wurde aber auch in den Medien (mit Ausnahme der Flash-Cologne http://www.flash-cologne.de/?p=22174) mit keinem Wort widerlegt. In Wirklichkeit glauben nämlich viele Menschen in Köln: „Eigentlich haben sie ja Recht.“. 

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Über Kenji

Schreibe die Diss im Fach Japanologie zu Sexualität im japanischen Mittelalter. Gucke gern America's next top model und esse genre Gummibärchen

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  • @ptrk_k die Wortverwandschaft ist bei allen drei Worten vorhanden. Aber für mich hatte in dem Mom Schwulität eine klar negative Bedeutung... 2 years ago
  • Gestern auf der Arbeit gab's Streit: zwei meiner Kolleg_innen haben das Wort “Schwulitäten“ verwendet. Fand ich nicht cool. Übertrieben? 2 years ago
  • @schokopflaster Erledigt! Sorry, dass ich mich so lange nicht gemeldet habe. Wie geht es dir? 2 years ago

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