Wie rechts ist Japan?

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Vor einer Woche erreichte die Abonnenten des E-Mail-Verteilers „J-Studien“, eine Liste zum Austausch von Japanologen und Japan-Interessieren, die Mail einer deutschen Wissenschaftlerin der Hosei Gauin University aus Sapporo mit folgendem Text:

Falls in Deutschland noch nicht so bekannt ist, was hier zur Zeit passiert:
Bitte lest z.B. den Artikel des Guardian vom 13.10.
http://www.theguardian.com/world/2014/oct/13/japan-ruling-party-far-right-extremists-liberal-democratic
Der politische Druck nimmt extreme Formen an, und die Drohungen von rechts gehen eindeutig nicht nur auf das Konto eines Einzeltaeters aus Niigata, der vor drei Tagen gefasst wurde.
Wir brauchen DRINGEND UNTERSTUETZUNG!!!
Bitte schreibt an unsere Uni (Hokusei Gakuen), PolitikerInnen und/oder Medien!
 
Vielen Dank!
N.

 

Frau N. meint mit dem „Täter“ einen Mann, der telefonisch Morddrohungen gegen einen Dozenten der Hokusei Gakuin ausgesprochen hat. Der Dozent war Journalist der Asahi Shinbun – einer der größten Tageszeitungen Japans – und hat dort vor 20 Jahren Artikel zu den so genannten „Trostfrauen“ geschrieben. Leider stellte sich vor einiger Zeit heraus, dass sich eine Quelle als unglaubwürdig herausgestellt hat. Die Zeitung musste sich für den Fehler entschuldigen.

Rechte Kritiker und Nationalisten nahmen dies zum Anlass, die Tatsache, dass Japan ein System der Sex-Sklaverei auf Kosten zahlreicher Koreanerinnen und Chinesinnen betrieb, wieder in Frage zu stellen. Liberale Akademiker, Intellektuelle und Linke sehen sich zunehmend einem Druck von Rechts ausgesetzt, den die Politik stillschweigend in Kauf nimmt (und somit indirekt unterstützt).

Ich habe hier bereits einige Male die Frage nach Rassismus in Japan gestellt, doch die aktuelle Diskussion um diesen Fall hat mich einsehen lassen, dass meine bisherige Sichtweise viel zu beschränkt war. Es geht nicht nur um einfachen Rassismus, der eine Diskriminierung aufgrund eines bestimmten Phänotyps vorantreibt, sondern sehr viel grundlegender um eine nationalistische Gesinnung, die mehr und mehr um sich greift.

Dabei ist die politische Komponente besonders interessant. Es handelt sich bei der Regierung um Premier Abe um einen unglücklichen Balanceakt aus neoliberalem Pragmatismus und reaktionärem Nationalkonservativismus.

Auf der einen Seite versucht Abe die Wirtschaft aus dem Deflationsstrudel zu retten und will das Schwinden der Anzahl von Arbeitsnehmern durch Mobilisierung der weiblichen Bevölkerung verlangsamen. Auf der anderen Seite braucht Abe die Stimmen der Konservativen im Land, was sich durch seine fragwürdige Politik bezüglich des internationalen Austauschs mit den direkten Nachbarn China und Korea äußert.

Es wird in der Bevölkerung ein Gefühl der nationalen Integrität gefördert, was vor allem zulasten der in Japan ansässigen Ostasiat_innen geschieht. Insbesondere aber werden Kritiker aus den „eigenen Reihen“ identifiziert, eingeschüchtert und bedroht. Das ist es, was Frau N. mit ihrem Hilferuf anprangert.

So. Das war vor einer Woche. Und was ist in der Zwischenzeit passiert? Die Diskussionen auf den „J-Studien“ sind häufig recht amüsant, aber leider tendieren sie auch dazu, das Wesentliche aus den Augen zu verlieren.

Die Diskussion drehte sich in der Zwischenzeit um die Frage, wie rechts die AfD ist, wie sehr sich die Wissenschaft politisch positionieren soll oder inwieweit sie einen Objektivitätsanspruch beibehalten muss. Das alles hat peripher mit dem Hilferuf zu tun. Das Gefühl, dass gehandelt werden muss, bleibt bestehen, aber davor steht die Frage, ob man als Wissenschaftler_in handeln darf.

Meine Meinung: Aber ja doch! Wenn die Politik zeigt, dass sie auf dem rechten Auge blind ist, wenn Kritiker_innen eingeschüchtert werden und sich die Situation der Betroffenen zunehmend verschlechtert, dann muss internationale Kritik kommen. Besser zu früh als zu spät.

Es handelt sich also überhaupt nicht um die Frage, was man als „Wissenschaftler_in“ tut, sondern was das persönliche, ethische Empfinden einem selbst vorschreibt.

Zur Anfangsfrage: „Wie rechts ist Japan?“. Es etwas rechter geworden.

 

Hier noch mehr Links von Frau N. (auf Japanisch):

http://mainichi.jp/select/news/20141024k0000m040099000c.html

http://www.asahi.com/articles/ASGB67JQTGB6PTIL03H.html

Kölner CSD-StVO: Rechts vor Links!

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[Achtung! Pessimistischer Beitrag]

Es ging um die Frage, ob die rechtsradikale Pro-Köln-Bewegung beim Kölner CSD mitlaufen darf oder nicht. Sie wurde provoziert, da sich Pro Köln angemeldet hatte, mitzulaufen. Das war Mitte Mai. Die Diskussion ist nun zu einem Ende gekommen, denn Pro Köln hat seine Beteiligung zurückgezogen. Zur Erinnerung: Es ist Mitte Juni.

Die Diskussion, die nach der Anmeldung erfolgte, war mehr als erschreckend. Überwiegend waren die Stimmen zu hören, die sagten, dass sie nichts hier zu suchen hätten. Doch andere wiederum (vielleicht auch dieselben?) sahen eine gewisse Logik in Pro Kölns Argumenten.

„Wir wollen darauf hinweisen, woher in Köln die Bedrohung für Schwule und Lesben hauptsächlich herkommt. Diese Bedrohungsszenarien kommen heutzutage hauptsächlich von Jugendlichen mit Migrationshintergrund, zumeist muslimischem Migrationshintergrund.“ (http://www.queer.de/detail.php?article_id=19333, vom 31.05.2013)

cologne pride glückwunsch

Beglückwünschen kann man den diesjährigen KLuST leider nicht…

Stimmt, dachte sich mit Sicherheit der ein- oder andere. Warum Pro Köln eigentlich ausschließen? Mit der Rhetorik konnte die Bewegung recht effektiv ihre verfassungs- und menschenfeindliche Gesinnung verschleiern. Es schien mit einem Mal, dass Pro Köln eigentlich recht griffige Einsichten hat. Man war zwar kein Mensch, der Hitler-Merchandise sammelt oder was gegen Schwarze und Juden hatte, aber wenn man nachts einer Gruppe türkischer-aussehender, männlicher Jugendliche über den Weg läuft, benimmt man sich besser unauffällig und sucht nach Fluchtmöglichkeiten. Niemand hat gerne Angst. Und was haben sie alle gemeinsam? Natürlich! Sie sind aus muslimisch-geprägten Haushalten.

Es hat zwei bis drei Wochen gedauert, bis sich der KLuST (Kölner Lesben- und Schwulentag e.V.) zur Entscheidung durchrang, Pro Köln vom CSD auszuschließen – auch wenn die Möglichkeit bestand, dass Pro Köln dagegen rechtlich vorgehen könnte. Zu diesem Rechtsstreit kommt es nicht. Heute wurde bekannt gegeben, dass Pro Köln auf seine Teilnahme verzichtet.

Die Entscheidung des KLuST wurde in einem Beitrag von queer.de mit folgenden Worten begrüßt:

„Ich möchte mich bei Ihnen bedanken. Mit Ihrer CSD-Anmeldung haben Sie es geschafft, die Kölner Community – trotz anfänglicher Verwirrung – am Ende zu einen und sich selbst dabei komplett bloßzustellen.“ (http://www.queer.de/detail.php?article_id=19367, vom 05.06.2013)

In den zwei bis drei Wochen, in welcher die Entscheidung des KLuST nicht getroffen wurde, war für mich einiges enthalten. Darunter fallen Unsicherheit, Ungläubigkeit, Scham und Wut.

Ich kann verstehen, dass der KLuST über seine Möglichkeiten zu handeln reflektieren und keine voreilige Entscheidung treffen wollte. Doch was fehlte, war die klare Aussage, gegen Rassismus, Nationalismus und die Pro-Bewegungen zu sein.

Für mich als jemand mit Migrationshintergrund (wenn auch nicht arabisch) war es eine erniedrigende Erfahrung, zu sehen wie eine zentraleuropäische Nabelschau stattfand, die ihren eigenen Rassismus und ihre Islamophobie nur zu gerne instrumentalisieren ließ. Zu keinem Zeitpunkt fand eine Solidarisierung mit den zahlreichen schwul-lesbisch-trans-bi-Menschen mit Migrationshintergrund statt, denn nach wie vor ist das Ideal in Köln scheinbar weiß. Zu keinem Zeitpunkt wurde über das Verhältnis Religion & Homosexualität im Allgemeinen nachgedacht. Auf die Idee, dass der Islam ein Teil von homosexuellem Leben sein kann, kam traurigerweise niemand. Das Bild des schlagwütigen, türkischen 17-jährigen mit Salafismus-Tendenz kam all denen gelegen, die sich in der Opferrolle wohl fühlen.

Mein Mitgefühl gilt all denjenigen, die jegliche körperliche Gewalt und Erniedrigung erleiden mussten. Doch es ist nicht der Islam, der zuschlägt, genauso wenig wie es das Christentum ist, das Homosexualität als eine Krankheit bezeichnet. Es sind die Menschen, die Religion als Legitimation für ihr Handeln verwenden.

Wenn ich nachts Gruppen von männlichen Jugendlichen begegne, versuche ich mich auch unauffällig zu verhalten und bin froh, wenn ich 200 Meter weg von ihnen bin. Daran ist aber keine Religion schuld, noch ist es eine Ethnie, die gewalttätiger ist als eine andere.

Wenn etwas bloßgestellt wurde, wie es in dem oben zitierten Artikel heißt, dann ist es die schwul-lesbische Gemeinde Kölns – zwei bis drei Wochen lang konnte man in ihre zweifelnde Fratze sehen, nur damit sie sich nach Bekanntgabe des KLuST, Pro Köln zuzuschließen, als Helden feiern konnten. Pro Köln wurde eine heuchlerische Absage erteilt. Die Argumentation, dass der Islam eine für homosexuelle Menschen gefährliche Religion sei, wurde aber auch in den Medien (mit Ausnahme der Flash-Cologne http://www.flash-cologne.de/?p=22174) mit keinem Wort widerlegt. In Wirklichkeit glauben nämlich viele Menschen in Köln: „Eigentlich haben sie ja Recht.“. 

Feminismus vs. LDP

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Der japanische Neo-Liberalismus ist schuld am schwächelnden Feminismus in Japan. Das ist die These der führenden Feministin Japans Ueno Chizuko.

Die japanische Alice Schwarzer im schicken Designer-Kleid ist nicht nur wie ihr deutsches Pendant im ganzen Land wohl bekannt, sie ist auch eine Reizfigur, an der sich die Geister scheiden, erfolgreiche Buchautorin, harsche Kritikerin des männlichen Establishments und mittlerweile emeritierte Professorin der Tōkyō Universität.

Kürzlich bin ich über diese Vorlesung von ihr, die auf Youtube veröffentlicht wurde, gestoßen, die unter dem Titel „Forty Years of Japanese Feminism: What It Has Achieved … and What It Has Not“ stand. Hier versucht Ueno die Licht- und Schattenseiten der letzten Jahre zu beleuchten, bleibt aber vor allem in der Gegenwart verhaften, was meiner Meinung nach nicht wirklich dem Anspruch von Selbstreflektion, wie es der Titel verspricht, entspricht. Aber ich versuche, die Kernpunkte einmal wiederzugeben:

Warum also durchlebt der japanische Feminismus zurzeit eine Tiefphase? Dies liegt vor allem daran, dass sich Frauen selbst als Opfer ihrer eigenen Inkompetenz sehen. Sie haben kein Selbstvertrauen und sind davon überzeugt, dass sie bestimmten Ansprüchen nicht genügen. Und welche Ansprüche sind das? Es sind die Ansprüche des Neo-Liberalismus, wie er unter dem damaligen Premierminister Koizumi Junichirō propagiert wurde – eine verspätete Version des Thatcherismus oder Reaganismus.

Dieser Neo-Liberalismus fordert von jedem einzelnen ein Höchstmaß an Performance und Fleiß. Jede_r ist seines/ihres Glückes Schmied. Dieses Motto geht aber davon aus, dass jede_r die selben Chancen besitzt. Dieser Egalitätsanspruch kann aber nicht funktionieren, da es einen internalisierten, gesellschaftlichen Sexismus gibt. Folge davon ist zum einen, dass Frauen in den Entscheidungsdruck kommen, zwischen Familie und Karriere eine Wahl zu treffen. Wählen sie den Karriereweg, wie auch Ueno, haben sie häufig nicht die Aufstiegsmöglichkeiten von Männern, landen in prekären Arbeitsverhältnissen und werden zu Schuldigen des demographischen Wandels. Daher fordert Ueno für Frauen feste, sichere Jobs mit geringen Arbeitszeiten und Männer, die sich an der Erziehung beteiligen, um Kinder mit Beruf vereinen zu können.

Der Neo-Liberalismus ist an sich nicht frauenfeindlich. Im Gegenteil, er versucht Frauen zu fördern und das Maximum an Produktivität zu erreichen. Aber er geht auch nicht aktiv gegen Sexismus vor. Das liegt, so Ueno, an dem mit dem Neo-Liberalismus einhergehenden Neo-Nationalismus einher, der alles daran setzt, eine Gleichberechtigung der Geschlechter (und Sexualitäten) zu verhindern.

Insgesamt sieht Ueno in den nationalistischen, rechten Tendenzen eine ernste Gefahr für Frieden und Gleichberechtigung. Ich möchte dazu anmerken, dass es auch Ueno war, die Ende der 80er Jahre das International Research Center for Japanese Studies (Nichibunken) kritisiert hat, da sie fürchtete, es sei eine Einrichtung die dem japanischen Nationalismus zugute käme. Für Japaner mag das stimmen. Für Ausländer ist es eine geniale Forschungseinrichtung…

Einer der Streitpunkte zwischen Nationalisten und Feminist_innen ist nach wie vor die Frage der „Trostfrauen“ (japanisch) und der „militärischen Sexsklaverei“ (sicherlich der vorzuziehende Begriff). Erst vor kurzem hat der Bürgermeister der Stadt Ōsaka Hashimoto Toru, den Mitbegründer der Partei Ishin no Kai, tatsächlich bei einem Besuch auf Okinawa behauptet, die „Trostfrauen“ seien ein notwendige Übel gewesen, um in der Kompanie für Ordnung zu sorge, e.g. die Soldaten mussten Frauen systematisch vergewaltigen, damit sie als Soldaten weiterhin tauglich sind. Eine Aussage, die nicht nur wenig Sinn ergibt, sondern auch eine Frauenorganisation auf Okinawa auf den Plan gerufen hat, die diesen Quatsch auf das Schärfste verurteilte. Zu Recht kritisierten sie u.a. die männliche Tendenz, sexuelle Verantwortung auf Frauen zu übertragen und sie dann als Ventil sexueller Frustration zu benutzen. (Siehe dazu den Artikel auf der Japan Times) (…Hashimoto ist eh ne Wurst)

Ueno zieht in ihrem Vortrag eine Parallele zwischen nationalistischer Gesinnung, Ablehnung von Pazifismus (wie er eigentlich in Art. 9 der Verfassung gefordert wird) und Unterstützung der Atomenergie. Diese drei Elemente gehen in Japan Hand in Hand und bilden eine Front, die sich auch gegen geschlechtliche und sexuelle Gleichberechtigung stellt. Die Liberaldemokratische Partei (LDP), die den Neo-Liberalismus vertritt, hingegen ist für eine Unterstützung von Frauen in der Arbeitswelt, unterstützt aber nicht wirklich die Menschenrechte von Frauen und LGBT. Lediglich die Demokratische Partei Japan (DPJ) stimmt mehr oder weniger mit den feministischen Zielen überein, wurde aber Ende des letzten Jahres abgewählt.

feminismus vs. ldp

Der blaue Bereich deutet die Zustimmung zu bestimmten Themen an. Die Demokratische Partei stimmt allgemein mit sehr viel mehr Zielen des Ueno’schen Feminismus überein als die Liberaldemokratische Partei.

Zum Schluss äußert sich Ueno voller Bewunderung für Deutschland, das aus den Fehlern der Atomenergie gelernt hat und praktisch über Nacht eine ethisch vertretbare Politik, unsere liebe Energiewende,  verfolgt. Damit erfüllt Deutschland eine der drei  Voraussetzungen, die Ueno für ein gerechteres Japan sieht.

Deutschland als ein Vorbild ethischer Politik? Deutschland, das Utopia geschlechtlicher und sexueller Gleichstellung? … vielleicht ja irgendwann einmal. Aber andererseits bin ich manchmal auch froh, immer nur zeitlich begrenzt in Japan zu sein.

P.S.: Hier der Link zu Japan Times: http://www.japantimes.co.jp/news/2013/05/16/national/okinawa-womens-groups-condemn-hashimoto-justification-of-sex-slaves/#.UZTYE6J7KSo

In der Zwischenzeit gibt es dort eine Fülle an Artikeln zu den Hashimoto-Äußerungen.

Verständnis, Unverständnis und Missverständnis

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Ich habe vorhin einen Beitrag auf queer.de gelesen, in welchem über einen britischen Wissenschaftler berichtet wird, der bemängelt, dass in Tierdokumentationen der BBC Homosexualität ausgeblendet wird. Das liege daran, dass bewusst (!) heteronormative Denkmuster angewandt werden, um das Gezeigte dem Publikum intelligibel zu machen.  Ich sollte noch dazu sagen, dass es sich bei dem Kritiker nicht um einen Biologen handelt, sondern um einen Wissenschaftler aus dem Bereich der Television and Media Studies. Den Link zu seinem Profil findet ihr unten auch (ist schließlich öffentlich, oder?).

Queer.de hat in seinem Subheader zum Beitrag leider von „lesbischen“ und „schwulen“ Tieren gesprochen, was ich leider so nicht unkommentiert stehen lassen kann.

Ich habe in der Kritik von Mills, dem oben genannten Wissenschaftler, nicht in erster Linie einen Aufruf gegen das heteronormative Establishment gelesen, sondern eine Kritik an der Projektion eigener normativer Werte auf das Tierreich. Queer.de hat leider genau dasselbe gemacht, indem sie Tieren eine sexuelle Identität unterstellen und sie damit in den Dienst der eigenen politischen Agenda stellen. Das geht auch nicht.

Das Tierreich kann durch den Blick der Filmemacher leicht so manipuliert werden, dass sich die Zuschauer mit ihm (dem Tierreich) identifizieren können – evtl. auch ein Grund, weshalb sich heterosexistische Menschen gerne auf das Beispiel „Natur“ und das Tierreich beziehen – da sich das Tierreich dem schlecht entziehen oder mit den Menschen in explizit kommunikativen Kontakt treten kann, der nur wenig Spielraum für Interpretationen lässt (Sprache). Doch wie ist das bei Menschen und unterschiedlichen Kulturen?

Vor ein etwas mehr als einer Woche begann dieses Video einer Sängerin der japanischen Girl-Pop-Gruppe AKB48 die Runde zu machen. Die Sängerin entschuldigt sich dafür, die Fans, die Band, Freunde und Verwandte enttäuscht zu haben, da sie verbotenerweise einen Freund hatte. Dazu hatte sie wohl einen Vertrag unterschrieben, obwohl ich immer noch glaube, dass das nicht rechtsgültig ist. Daher hat sie sich den Kopf geschert und bettelt um Vergebung.

(Das Original wurde mittlerweile von AKB48 vom Netz genommen und ich habe es auch sonst nicht finden könne. Für Hinweise, wo man es doch noch bekommen kann, wäre ich dankbar!)

Auf Google+, das mir merkwürdigerweise noch rassistischer und Sexistischer als Facebook erscheint, hat Spiegel Online einen Beitrag dazu gebracht. Neben Kommentaren wie diesem:

„Entschuldigung: Level Asian. ^^ Aber zum anbeissen sind die Mädels schon. Wirken so schüchtern und unschuldig grrrrr :))“

Gab es auch sowas:

„Die Japaner haben noch so viel Anstand sich oft und ehrlich für ihr „Vergehen“ zu entschuldigen.
Wobei die ganze Sache wohl nicht so schlimm ist. Vielleicht hat das auch mit der japanischen Mentalität zu tun. „

Nun, zunächst ist es schon beschämend, dass sich Japan immer noch auf dem Level einer Gesellschaft befindet, in der Mädchen und junge Frauen das  Gefühl haben, sich selbst auf solche grausame Art und Weise selbst erniedrigen zu müssen. Zu dem ganzen Girl-Band-Phänomen und dem sexistischen Hintergrund hat die Japan Times einen sehr guten Meinungs-Beitrag geschrieben, dem ich nur vollkommen zustimmen kann!

Und ja, es hat auch etwas mit der „japanischen Mentalität“ zu tun. Da bin ich mir ziemlich sicher, obwohl ich jetzt nicht vorhabe dieses Thema näher zu beleuchten.

Ich glaube, dass an dieser Stelle der Schritt zur kulturellen Relativierung sehr viel ausgeprägter ist. Im Gegensatz zum Tierreich, da es dort keine Kultur gibt, die durch den Filter des menschlichen Rezipienten dekodiert werden muss. Wenn wir das Tierreich mit „Natur“ gleichsetzen, ist es für den Menschen relativ einfach diese aufzunehmen, da die Erfahrung der Natur immer nur durch das kulturelle Bewusstsein des Menschen aufgenommen werden kann. Die „Natur“, wie sie IST, kann nur ein abstraktes Konzept der menschlichen Vorstellung bleiben, denn wir sind durch die Grenzen menschlicher & kultureller Erlebnismöglichkeiten eingeschränkt.

Nun zum anderen Beispiel: die Dekodierung des Selbsterniedrigung des AKB48-Mitglieds ist ungleich schwerer für Außenstehende. Hier haben wir keine passive Kultur, die dem menschlichen Blick angepasst werden kann. Die Betrachter des Videos wissen, dass sich ein anderer kultureller Rahmen hinter dem Gesehenen verbirgt, der nicht ohne weiteres verstanden oder assimiliert werden kann. Das kann frustrierend sein und führt zu Äußerungen wie „ist eben ne andere Mentalität.

Darin liegt aber auch eine Gefahr. Den Gepard, der einen Rehbock reißt, kann man nicht moralisch verurteilen, da Gewissen, Machtempfinden und Leid nicht zur Kategorie „Natur“, sondern „Kultur“ gehören (und mir ist bewusst, dass es sich um eine künstliche Dichotomie handelt). Und hier haben wir auch die entscheidende Parallele, die menschliche Erfahrungen unterschiedlicher Kulturen miteinander verbinden.

Das, was dazu geführt hat, dass sich Minami Minegishi den Kopf rasiert hat und vor eine Kamera getreten ist, um sich mit tiefen, lang anhaltenden Verbeugungen und Tränen für ein Vergehen zu entschuldigen, etwas das man bei einem Mann einfach übersehen hätte, ist klar zu verurteilen! Es handelt sich hier um widerliches, sexistisches System, das sich so tief in die Beteiligten eingebrannt hat, dass sie sich selbst für Übertretungen züchtigen müssen.

Es wäre wohl etwas anderes wenn Japan ein von anderen Zivilisationen abgeschnittenes Land  mit weitgehend indigener Kultur wäre. Ist es aber nicht. Daher muss auch Japan nach denselben ethisch-moralischen Maßstäben bewertet werden, wie Deutsche, Norweger, Briten, Amerikaner, Chinesen, Russen etc. Ohne diese selben Maßstäbe wäre eine Kommunikation kaum möglich.

Anders herum gesagt: Tut man dies nicht, würde man Japan die eigenen ethisch-moralischen Werte vorenthalten und auch Minami Minegishis Schicksal als fatalistisches Karma abhaken.

 Links: 

http://www.queer.de/detail.php?article_id=18520

http://eastanglia.academia.edu/BrettMills

http://www.japantimes.co.jp/culture/2013/02/01/music/akb48-members-penance-shows-flaws-in-idol-culture/

Gleichgeschlechtlicher Hetero-Sex, oder: Nanshoku-Interpretationen

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Wie vielleicht einige bereits wissen befasse ich mich in meinen Studien unter anderem mit gleichgeschlechtlicher Sexualität im mittelalterlichen Buddhismus Japans. Wenn nicht, dann wisst Ihrs jetzt.

Ich schaue vor allem auf Praktiken innerhalb des Buddhismus im 13. Jahrhundert (Kamakura-Zeit) und versuche herauszufinden, inwieweit ein Selbstbewusstsein für eine eigene Sexualität konstruiert wurde. Im Vordergrund stehen die Beziehungen zwischen Ministranten (chigo 稚児), die in ihrem frühen Teenageralter sind, und älteren Mönchen, die sie unter ihre „Fittiche“ genommen haben. Es wurde erwartet, dass sich zwischen Lehrer und Schüler eine innige, häufig auch sexuell, intime, Beziehung entwickelte, die sogar durch spezielle Riten eine eigene Legitimität erhalten hat. Die Jungen waren oft in schöne Gewänder gepackt, trugen Make-up und es wurde von ihnen erwartet, dass sie zu festlichen Ereignissen tanzten und sangen. Häufig werden diese Beziehungen als die nanshoku-Tradition (男色) bezeichnet.

Dazu muss ich nicht nur japanische Quellen durcharbeiten, sondern mich selbstverständlich auch mit der japanischen Sekundärliteratur dazu befassen. Und das ist häufig der Moment, an dem ich mit dem Kopf schüttel/laut auflache/große Augen mache/Kotzebrocken runterschlucke/weinen möchte.

Damit Ihr mich versteht, werde ich nun zwei (recht moderne!) Titel vorstellen:

Der erste ist von einem Herrn Sunaga mit dem (übersetzen) Titel: „Schöne Knaben in Japans Geschichte“ (volle Literaturangaben alle am Ende des Beitrags).

Sunaga versucht uns eine Erklärung für das homosexuelle Verhalten zu liefern und verläuft sich auf grausamste Weise in biologischem Wirrwarr. Er meint, dass innerhalb vom rein homosozialen Gruppen (Frauen durften die Tempel nicht betreten) homosexuelles Verhalten häufiger auftrete, aber es gäbe schließlich eine noch bessere Erklärung dafür (jetzt kommts!):

Alle Menschen sind im pränatalen Zustand zunächst erst einmal weiblich. Die Entwicklung der männlichen Geschlechtsorgane tritt erst ab einem späteren Zeitpunkt ein. Daher gibt es bei Männern allgemein einen Hang zum Hermaphroditismus (!!!). (S. 8)

Lasst uns jetzt mal einiges klarstellen:

–          Homosexuelles Verhalten ist eine Form von Hermaphroditismus

–          Homosexuelles Verhalten unter Männern zeigt den weiblichen Ursprung des Mannes

–          Ergo: homosexuelles Verhalten unter Frauen KANN es nicht geben.

–          Ergo: ein soziales Geschlecht kann es nicht geben, denn der biologische Zustand des/der Hermaphroditen zeigt sich im Verhalten, der Kleidung, des Make-up etc.

seiai no nihonchusei

Ein weiteres Highlight habe ich bei Frau Tanaka, die ich übrigens persönlich kennengelernt habe (bevor ich ihr Buch gelesen  habe) gefunden, in dem Buch „Geschlechtliche Liebe im Mittelalter Japans“.

Frau Tanaka hat Judith Butlers „Gender Trouble“ gelesen ….und nicht verstanden.

Zuerst wurde ich stutzig, als ich las, dass alle sexuellen Beziehungen in „aktiv“ und „passiv“ eingeteilt werden und zwangsweise eine Rollenverteilung in „penetriert“ und „penetriert werden“ vorgenommen wird. Auch in gleichgeschlechtlichen Beziehungen kann es keine Egalität geben (S. 13). Noch größer wurden meine Augen als es auf S. 19 hieß, dass Chigo weder ein soziales NOCH ein biologisches weibliches männliches (sorry, da war mir ein Fehler unterlaufen!) Geschlecht hätten. Wie kommt man auf die Idee, dass 15-jährige Jungen in weiblich anmutender Tracht plötzlich nicht mehr biologisch männlich seien?

Die Antwort findet man erst einige Seiten weiter (S. 44), denn hier zitiert Tanaka Judith Butlers „Gender Trouble“. Genau die Stelle, an der Butler die Frage stellt, ob Sex nicht schon immer Gender gewesen sein. Zugegeben, eine Stelle, die von vielen nach der Veröffentlichung missinterpretiert worden ist, wohl auch weil Butler nicht dafür bekannt ist, sich besonders klar auszudrücken. Doch die eigentliche Intention hinter dieser Aussage wurde im Folgewerk „Bodies that matter“ ausgeführt.

Tanaka jedoch hat die Aussage unreflektiert übernommen und argumentiert,  da es keinen Unterschied zwischen Sex und Gender gebe, müsste man die Beziehungen zwischen Mönchen und ihren Ministranten als heterosexuell einstufen, denn die Knaben sind eigentlich weiblich.

WARUM?!

Die beiden Beispiele sind selbstverständlich nicht die einzigen Arbeiten zu diesem Thema, doch ich bin mittlerweile recht verschreckt über die Unkenntnis, die manche japanische Geschichtswissenschaftler an den Tag legen.

Zurzeit lese ich einen Artikel von einem Senpai von mir, Hiramatsu Ryōen, (leider nicht kennengelernt), der wohl etwas differenzierter an die Sache herangeht, aber noch habe ich nicht alles aus seinem Artikel gelesen.

Für alle, die sich aber für diese Thema mehr interessieren: Hier die Literaturdaten:

Hiramatsu, Ryôen: (2007): Bukkyô ni okeru sô to chigo no nanshoku [Nanshoku zwischen Mönchen und Ministranten im japanischen Buddhismus]. In: Nihon Kenkyû, H. 34, S. 89–130.

Tanaka, Takako: (2004): Seiai no Nihon chūsei [Geschlechtliche Liebe im Mittelalter Japans]. Tōkyō: Chikuma Shobō.

Sunaga, Asahiko: (2002): Bishōnen Nippon shi [Schöne Knaben in Japans Geschichte]. Tōkyō: Kokusho Kankōkai.

Muss alles schwul sein?!

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Ein Jahr ist vergangen seit ich dieses kleine Projekt gestartet habe. Ich habe es leider nicht geschafft so viel zu schreiben wie ich mir zu Beginn vorgenommen hatte, aber nichtsdestotrotz bin ich recht zufrieden.

In letzter Zeit denke ich vermehrt über die Repräsentanz von LGBTQ in der Öffentlichkeit nach und hatte in diesem Zusammenhang erst vor kurzem ein interessantes Gespräch. Es ging wieder einmal um den Gay Weihnachtsmarkt in Köln und die Frage, ob sich wirklich ALLES im Leben einer LGBTQ-Person um genau das drehen muss. Muss tatsächlich jeder Lebensbereich damit durchtränkt sein? Muss selbst so etwas wie das Weihnachtsfest in einen sexuellen Kontext gesetzt werden? Reicht es denn nicht, wenn wir einfach lesbisch/bi/trans/schwul/a oder queer/fragend sind? Muss denn wirklich alles nach außen getragen werden?

Nun, ja und nein (wie immer!). Zunächst einmal lassen diese Fragen vermuten, dass es Bereiche im Leben einer jeden Person gibt, die neutral sind. Das heißt Bereiche, in denen die Sexualität und Geschlechtlichkeit der Menschen keine Rolle spielen oder spielen sollten, wie eben beim Weihnachtsfest. Was vielen als so anstößig vorkam, war die Annahme, dass das Weihnachtsfest sexualisiert dargestellt wurde, was im Umkehrschluss bedeuten würde, Weihnachten sei entsexualisiert und geschlechterneutral. Und genau das glaube ich nicht.

Immer wenn nicht von der Abweichung der Norm gesprochen wird, tritt diese Norm wieder ein und wird zum herrschenden Denkmuster. Gleichzeitig aber stilisiert sich die Norm in den Köpfen der Menschen aber auch als das, was neutral oder unmarkiert ist. Der „normale“ Weihnachtsmarkt ist ein Schauplatz, in dem sich die meisten Menschen nicht über sexuelle Diskriminierung Gedanken machen (müssen). Es ist ein Ort, an dem das Sexuelle keine Bedeutung hat, was als eine Voraussetzung gilt, eine heterosexuelle Grundannahme zu beflügeln. Der unbelastete Geist ist ein solcher, dem sexuelle Ungleichheit gar nicht in den Sinn gelangt, was der Hegemonie der allseits angenommenen Mann-Frau-Beziehung Vorschub leistet.

LGBTQ-Menschen kennen es vielleicht. Starrende Blicke während man mit seinem Partner / seiner Partnerin durch die Stadt läuft, kichern der Glühweinverkäufer_innen, Leute, die ein entgeistertes „Na, sowas auch!“ von sich geben wenn man an ihnen händchenhaltend vorbeiläuft. Die Wahrheit ist, dass wir außerhalb dessen stehen, was von vielen anderen als „normal“ eingestuft wird.

Als ich in meinen späten Teens oder auch frühen 20ern war, habe ich die Aussage „Muss denn alles um mich herum schwul sein!?“ (für meinen speziellen Fall) gut verstanden. Genauso wie ich lange Zeit geglaubt habe, nur weil ich in Deutschland aufgewachsen bin, sei ich so deutsch wie alle anderen. Heute habe ich meine Sichtweise darauf grundlegend verändert. Heute frage ich mich, warum ich es nicht vorher als eine Abwehrhaltung gegen die schier erdrückende Verantwortung erkannt habe, die ich mir nicht selbst auferlegt habe, sondern die mir auferlegt wurde. Ich wünschte mir manchmal, ich müsste mir keine Gedanken über sexuelle und ethnische Unterdrückung machen.

Aber warum mache ich es trotzdem? Ich glaube, weil ich an einem Punkt angekommen bin, an dem ich mich nicht mehr mit der derzeitigen Situation geben kann. Es stört mich nicht, dass mich andere als „anders“ betrachten, sondern es stört mich, dass andere glauben sie seien „normaler“ als ich. Das „Normalsein“ hat seine Vorzüge. Man muss sich keine Gedanken über sich selbst und seine Welt machen. Man kann frohen Mutes sorgenfrei über den Weihnachtsmarkt schlendern. Aber das „Unnormal-sein“ hat ebenfalls seine Vorzüge. Die marginalisierte Position motiviert zur Meinungsäußerung und zur politischen Bewegung. Wenn ich diesem Drang nicht folgen würde, wäre das für mich persönlich mittlerweile ein Verrat an meinem „Unnormal-sein“.

Nun die andere Seite. Den LGBTQ-Weihnachtsmarkt kann man auf seine Art auch als sehr heteronormativ interpretieren. Er hat in einem weiteren Schritt dafür gesorgt, dass sexuelle Minderheiten kommerzialisiert und auf sexuelle Praktiken reduziert wurden.

Wenn sich Leute aber darüber aufregten, dass ein schwuler Dildo-Stand nichts auf einem Weihnachtsmarkt zu suchen habe, kann ich dem teilweise auch zustimmen. Der Dildo-Stand wird zu einem Kuriosum, das eher dafür sorgt, LGBTQ-Fragen auszublenden und mit staunenden „Ooohs“ und „Ahhs“ zu füllen, als Antworten zur Selbstverständlichkeit der anderen (heterosexuellen) Weihnachtsmärkte zu liefern. Aber das war wohl nicht der Grund für den Aufschrei. Viel eher wurde wohl etwas, was mit „Sittlichkeit“ zu tun hat, moniert.

Trotz allem habe ich im Gay-Weihnachtsmarkt auch einen Schritt zu mehr Sichtbarkeit von LGBTQs und eine Kritik am entsexualisierten Weihnachtsfest gesehen. Ich fürchte nur, dass genau das nicht die Hauptintention der Organisatoren war. Ich glaube, viel wichtiger wäre mir ein Weihnachtsmarkt, der gegen die Diskriminierung von sexuellen, religiösen und ethnischen Minderheiten vorgeht. Aber ich fürchte, auch im nächsten Jahr werden die Weihnachtsmärkte so sein wie vorher: scheinchristlich und scheinheilig.  Und weiße Weihnachten haben wir auch wenn es nicht schneit.

Zurück zur Frage: „Muss denn alles in unserem Leben LGBTQ sein?“ Nein, muss es nicht. Es liegt letztendlich wohl doch daran, welche Prioritäten man in seinem Leben setzt.

Queer East Asia

Im nächsten Frühjahr wird es eine Konferenz in Wien unter dem Titel “ (Selbst-)Darstellungen von
Queer(s) in Ostasien“ geben. Auf so etwas oder ähnliches habe ich schon sehr lange gewartet und bin sehr glücklich, dass das Thema jetzt Aufmerksamkeit erlangt.

Ich habe ebenfalls einen Beitragsvorschlag eingereicht. Aber selbst wenn er nicht genommen werden sollte, werde ich auf jeden Fall versuchen, dort hinzugehen! Hier übrigens der CFP:

Klicke, um auf queereastasia_ger.pdf zuzugreifen

Bei meinem Vorschlag geht es nicht um Selbstdarstellung, sondern um die Darstellung von einer gleichgeschlechtlichen, sexuellen Tradition im mittelalterlichen Japan durch die moderne Wissenschaft. Hier also mein Vorschlag:

30 min. talk on

Sexuality and Gender in Japanese Historiography

Homosexual, paedophilic Buddhist monks

As late as the medieval times of Kamakura- (1185-1333) and Muromachi-Period (1336-1573) many Buddhist monasteries supported an institutionalized system which sexually abused acolytes (chigo稚児) – at least from a modern point of view. Researchers have studied the topic nanshoku男色 (male love) extensively, especially in the last 20-25 years. Looking at the scholarly discourse it becomes apparent that this subject is very susceptible to anachronistic interpretations. The review of nanshoku is marked by prejudices and reflects nowadays’ (Japanese) historiography dealing with sexuality and gender.

Monasteries were a place of studying and education for many male children. In accordance to their parents’ social status the boys were more or less privileged members of this society. For monks they were not only wards but objects of adoration, lust and quarrel. The discourse which evolved around the love between a monk and a chigo was signified by the keyword nanshoku.

The focus of this talk will be on modern studies of nanshoku. Several of these are marked by difficulties concerning the interpretation of sources. These are in particular

o   the unification of homosexuality and paedophilia without implicating there was an organic correlation,

o   the objective description of nanshoku and simultaneously the distancing and condemnation of paedophilia,

o   the usage of terms like “homosexuality” and “heterosexuality” within a context that cannot be described adequately with either term, and

o   the assumption that heterosexuality was a natural prerequisite of human existence.

It is not the intention of this talk to establish a position of an “enlightened” occident or end up in a kind of “Japan-bashing”. But it will display criticism on those representatives of academia who reproduce modern stereotypes and complicate the lives of homosexual people in Japan by stigmatizing them as transgressors of norms. Consequently, the question must be asked how much the notion of the variety of sexualities and genders informs and affects scholarly writing and society in Japan in general.

Drückt mir die Daumen! 😉